Jazz aus Berlin

Lisa Bassenge will "nur fort"

Die Berliner Jazzsängerin Lisa Bassenge entdeckt auf ihrem neuen Album "Nur fort" Country, Pop und die deutsche Sprache. Bisher sang sie nur auf Englisch.

Foto: M. Lengemann / Martin Lengemann

Lisa Bassenge singt wieder deutsch. Die elf Stücke auf Ihrem Album „Nur fort“ handeln von der Einsamkeit der Menschen und dem Kummer des Nichtzurückgeliebtwerdens.

Morgenpost Online: Auf dem CD-Cover werden Sie von Luftballonen in den Himmel gehoben. Wollen Sie weg?

Lisa Bassenge: Eigentlich will ich weggehen, aber wieder zurückfinden. Man bleibt da wo man ist, aber innerlich reist man und versucht zu sich selbst zu finden.

Morgenpost Online: Und wo sind Sie im Moment?

Lisa Bassenge: Seelisch gesehen bin ich mit der Platte ganz gut in meine eigene Richtung gekommen. Das Album gibt mir das Gefühl angekommen zu sein.

Morgenpost Online: In „Nur fort“ singen Sie vom Weggehen, vom Gehen ohne Ankündigung. „Dem polnischen Abgang“, wie Sie singen. Sind Sie schon mal einfach abgehauen?

Lisa Bassenge: Früher habe ich mich öfter davon gestohlen und habe niemandem gesagt, wo ich hingehe. Dann bin ich zu meiner Schwester und habe bei ihr übernachtet. Meine Mutter hat sich natürlich totale Sorgen gemacht.

Morgenpost Online: Wie kamen Sie zur Musik?

Lisa Bassenge: In meiner Nähe gab es ein Jugendzentrum, in dem Musik gefördert wurde. In einem Raum konnten viele Bands proben und dort bin ich immer nur mit Musikern rumgehangen. Es ging den ganzen Tag um Musik und Musik hören. Dort haben viele Musiker angefangen. Peter Fox und die Lemonbabies zum Beispiel.

Morgenpost Online: Und dann haben Sie an der Hanns-Eisler-Musikhochschule in Berlin studiert.

Lisa Bassenge: Ich wusste immer schon, dass ich Musik studieren will. Aber die Aufnahmeprüfung ist schwer. Und ich habe sie dreimal gemacht, bis sie mich aufgenommen haben.

Morgenpost Online: Sie beschäftigen sich in Ihren Lieder und Texten viel mit dem Zweifeln und der Suche nach dem Lebensglück. Haben Sie mal gezweifelt, dass die Musik das Richtige für Sie sei?

Lisa Bassenge: Komischerweise nicht. Das stimmt, das ist mir letztens auch aufgefallen, dass die Musik eine der wenigen Sachen in meinem Leben ist, an denen ich gar nie gezweifelt habe.

Morgenpost Online: Und woran zweifeln Sie?

Lisa Bassenge: Sonst an allem! Zweifeln ist ein Gefühl, das alle irgendwie haben. Man spricht nur nicht so gerne darüber. Ich habe immer an meinen Beziehungen gezweifelt. Im Moment zweifle ich, ob es das Richtige ist, in Berlin-Kreuzberg zu wohnen, oder ob ich nicht doch lieber nach Dahlem ziehen sollte. Ich zweifle an allen möglichen Lebensentscheidungen. In meinem Alter mit Mitte 30 versucht man so langsam anzukommen. Das bin ich aber noch nicht ganz, und deswegen sind Zweifel ganz normal.

Morgenpost Online: Gibt es konkrete Umzugspläne - nach Dahlem?

Lisa Bassenge: Ich habe bei Immobilienscout schon ein Profil angelegt, aber es gibt keine konkreten Pläne. In Kreuzberg lebe ich schon seit 17 Jahren, aber eigentlich komme ich aus Zehlendorf. Manchmal fühle ich mich hier sehr heimisch, weil meine ganzen Freunde hier sind. Aber ich vermisse das Grüne. Die Kinder in den Garten rausschicken, das geht hier nicht. Hier in der Stadt kann ich sie an die nächste Ecke laufen lassen, wo sie sich Gummibärchen kaufen können. So richtig losziehen, so wie ich als Kind mit meinem Puppenwagen zur Rehwiese und weiter, das ist hier unmöglich.

Morgenpost Online: Würden Sie sich wünschen, nicht mehr zu zweifeln und ganz anzukommen?

Lisa Bassenge: Man sehnt sich nach einem vollkommenen Glück. Aber das dann zu haben, ist so eine Sache. Dann will man gleich weiter. Man stellt sich etwas vor und denkt sich, wenn ich das jetzt hätte. Und wenn man das dann hat, merkt man, hey, das ist irgendwie doch nicht das Wahre.

Morgenpost Online: Ihr Bassist Paul Kleber begleitet Sie seit vielen Jahren. Sie kannten ihn schon vor der Musikhochschule. Welche Rolle spielt er in Ihrem Leben?

Lisa Bassenge: Nach meinen Kindern ist Paul der wichtigste Mensch in meinem Leben. Er ist immer da. Ich mache mit ihm alles.

Morgenpost Online: War es denn auch mal Liebe?

Lisa Bassenge: Es ist eine ganz große Liebe, aber eher platonisch. Eher eine Freundschaft würde ich sagen.

Morgenpost Online: Woher kommt die Inspiration für das Liederschreiben?

Lisa Bassenge: Aus der Ruhe. Ich brauch Zeit für mich und dann kommen die Ideen. Außerdem sind meine zwei Kinder Inspirationsquellen. Gerade die Große erfindet ständig Ausdrücke. Zum Beispiel bei „Hörst du nicht mein Herz“ ist die Zeile „Er guckt verschollen“ stammt von ihr. Für sie bedeutet das: „verträumt schauen“.

Morgenpost Online: In dem Lied „Hörst du nicht mein Herz“ geht es um das Ende einer Liebe, weil man sich nicht traut diese Liebe zu leben. Wo geht die Liebe hin, wenn man sich entliebt?

Lisa Bassenge: Das wäre echt ein gutes Thema für ein neues Lied. Wo geht die Liebe hin? Weiß ich nicht! Wahrscheinlich überträgt sie sich und geht zum Nächsten, in den man sich verliebt.

Morgenpost Online: Wenn die Luftballons Sie doch wegtragen könnten. Wohin sollten die Ballons sie fliegen?

Lisa Bassenge: Auf die Malediven. In ein krasses Wellnessressort, wo man den ganzen Tag massiert wird.

Die Deutschlandtour: 20.01. Halle, 21.01. Dresden, 23.01. Hannover, 28.01. Elmau, 11.02. Karlsruhe, 12.02. Mannheim, 14.02. Stuttgart, 15.02. München, 16.02. Bonn, 19.02. Mainz, 21.02. Berlin. Mehr unter www.lisa-bassenge.de