Museum

Hitler-Ausstellung ist Besuchermagnet

In fünf Tagen sind bereits 15.000 Menschen ins Deutsche Historische Museum gekommen. Der Diktator selbst spielt bei den Besuchern nicht die tragende Rolle – vielmehr ist es seine Wirkung auf die Bevölkerung.

Es ist elf Uhr am Vormittag. Das Deutsche Historische Museum hat seit einer Stunde geöffnet. Zwar geht es merklich voran, die Schlange der auf Einlass Wartenden ist aber trotzdem schon lang. Der Grund dafür ist die Ausstellung: „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“. Seit Ausstellungsbeginn am vergangenen Freitag haben sie schon mehr als 15.000 Besucher gesehen.

Das Interesse ist groß und das in allen Altersklassen. In der Warteschlange, die schon nach einer Stunde um mehrere Ecken des Museums reicht, stehen Jugendliche, Familien mit Kindern, erwachsene Paare und ältere Menschen, die durchaus Zeitzeugen sein könnten. Auch 65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bleiben Hitler und der Nationalsozialismus offensichtlich ein Thema, das die Menschen bewegt.

Mehr als 600 Exponate, mehr als 400 Fotos und Plakate sowie zahlreiche Filme und Texte sind zu sehen. Und die Besucher verbringen viel Zeit in den Museumshallen. Mehrere Stunden Verweildauer sind dabei keine Seltenheit. „Man kann schon ganz gut die eine oder andere Stunde hier verbringen“, sagt Marcel Husmann (76) aus der Schweiz. Er ist mit seiner Frau Bürgi (74) und seinen zwei Enkelinnen Julie (15) und Océane (11) ein paar Tage in Berlin und hat im Fernsehen von der Ausstellung erfahren. Und auch wenn vieles gerade den älteren Besuchern bekannt ist – Marcel Husmann bereut den Besuch nicht. „Das Schöne ist, es war nicht nur für mich und meine Frau, sondern auch für unsere zwei Enkelinnen interessant“, sagt Husmann, als er die Ausstellung nach mehr als zwei Stunden verlässt.

Nach Angaben des Museums bildet die Ausstellung nicht einfach plakativ die Geschehnisse der Nazizeit ab. Auch ist es nicht Hitler alleine, der die tragende Rolle in der Ausstellung spielt. Vielmehr geht es um die Wirkung des Diktators auf die Bevölkerung, die der Besucher erforschen soll. Und dabei wird auch die deutsche Gesellschaft im Nationalsozialismus und ihre Bedeutung für die Herrschaft Hitlers untersucht. Der Aufstieg Hitlers – in seinen jungen Jahren eine unscheinbare Persönlichkeit – zu einem skrupellosen, besessenen Machtpolitiker ist zu großen Teilen auch erst durch die Bevölkerung ermöglicht worden.

Titel macht neugierig

Genau darin sieht Rudolf Trabold, Pressereferent des Deutschen Historischen Museums, auch einen der Schlüsselfaktoren für den bisherigen Erfolg der Ausstellung. „Der Name ist Programm und bewusst so gewählt. Jeder soll sich angesprochen fühlen. Schließlich sind wir alle Teil der Volksgemeinschaft. Damals wie heute.“ Die Bedeutung der politisch-gesellschaftlichen Umstände der damaligen Zeit wird ausführlich beleuchtet. Die Mobilisierung sozialer Ängste und Hoffnungen durch Hitler, die für seine partei- und machtpolitischen Ziele entscheidend war, sind ein zentrales Thema.

Auch Kristina Schuchbauer, Touristin aus dem südschwedischen Lund, freut sich auf den Besuch. Sie findet es wichtig, dass es Ausstellungen wie die im Deutschen Historischen Museum gibt. Kristina Schuchbauer hat in der Zeitung von der Ausstellung erfahren. „Auch die negativen Themen der Geschichte müssen behandelt werden“, sagt sie, „deswegen bin ich auch gekommen. Auch wenn ich gehört habe, dass ich vielleicht etwas länger warten muss.“ Am Ende ist sie jedoch erstaunt, wie schnell es dann am Einlass doch vorangeht.

Besonders am vergangenen, ersten Wochenende waren die Wartezeiten lang. Das Museum hat deshalb schon über sogenannte Zeitfenstertickets nachgedacht. Beim Kauf solcher Eintrittskarten wird angegeben, in welchem Zeitraum das Museum besichtigt werden kann. „Solch lange Warteschlangen sind für das Deutsche Historische Museum nicht gerade alltäglich“, sagt Rudolf Trabold. „Natürlich sind wir daran interessiert, dass möglichst viele Besucher ohne lange Wartezeit in die Ausstellung können.“ Ganz lässt sich diese aber nicht vermeiden. Am Sonnabendnachmittag war der Andrang zeitweise so groß, dass zeitweise keine Eintrittskarten mehr verkauft wurden. „Dass die Ausstellung ihre Interessenten finden würde, war uns schon klar. Dass sie aber vom ersten Tag an so gut angenommen wird, das ist schon außergewöhnlich“, sagt Trabold.

Die Erwartungen sind hoch

Die meisten Besucher bringen Geduld mit. Anika Zöller (26) und Alexander Fürst (29) aus Frankfurt haben im Fernsehen von der Ausstellung erfahren und kein Problem, ein wenig zu warten. „Wir haben ja Urlaub, da hat man doch sowieso Zeit“, sagt Alexander Fürst, der sich neue Erkenntnisse über die Entstehung des Nationalsozialismus erhofft. „Natürlich hat man das Thema ja auch schon in der Schule behandelt, aber sicher nicht so ausführlich.“

Einige Meter hinter dem Paar aus Frankfurt steht ein älterer Herr, vertieft in eine Broschüre über das, was ihn in einigen Minuten in der Ausstellung erwartet. Dieter Weiß (73) aus Dresden freut sich auf die nächsten Stunden im Museum. „Man hat ja schon viel gelesen und gesehen zum Thema. Eine Gesamtdarstellung über die Ursachen, wie es damals soweit kommen konnte, davon erwarte ich mir schon viel“, sagt Weiß.

Die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum zieht die Menschen an. Wenn weiterhin rund 3000 Besucher durchschnittlich am Tag kommen, dann könnte sie eine der meist besuchten Ausstellungen des Museums werden. Bis zum 6. Februar kommenden Jahres ist die Hitler-Ausstellung noch zu sehen. Das große Interesse bislang zeigt, dass sie viele Menschen berührt.