Berliner Bühnen

Der Friedrichstadtpalast bricht alle Rekorde

Er boomt wieder: Der Friedrichstadtpalast verkaufte rund 450.000 Tickets, erstmals wurde beim Umsatz die 20-Millionen-Marke geknackt. Aber auch andere Berliner Bühnen wie die Deutsche Oper und die Komische Oper konnten ihre Auslastung 2010 steigern.

Die Kanzlerin hat die Krise in ihrer Neujahrsansprache für beendet erklärt. Offenbar sehen das die Besucher der Berliner Bühnen ähnlich: Gleich drei große Häuser vermeldeten eine verstärkte Kartennachfrage in der zweiten Jahreshälfte – die ja für Opernhäuser und Theater den Auftakt der neuen Saison darstellt.

Während die Deutsche Oper schon kurz vor dem Jahreswechsel die Zahlen mit einer höchst beachtlichen Auslastung von 81 Prozent veröffentlichte, zogen Berliner Ensemble und der Friedrichstadtpalast jetzt nach. Das Revuetheater verkaufte rund 450.000 Tickets, knapp 18.000 mehr als 2009. Ein Zuwachs um vier Prozent. Weil zudem wegen der Vorbereitung der neuen Show „Yma“ die Sommerpause verlängert und weniger gespielt wurde, stieg die Auslastung von 75 auf knapp 82 Prozent. Auch bei anderen wirtschaftlichen Kennzahlen konnte das Haus zulegen – und sogar einen Rekord vermelden: „2010 haben wir es geschafft, erstmals in unserer Geschichte die 20-Millionen-Euro-Umsatzmarke zu knacken“, betonte Intendant Berndt Schmidt.

Er brachte das Revuetheater zurück auf die Erfolgsspur. 2007 stand der Friedrichstadtpalast wegen eines Millionendefizits kurz vor der Insolvenz. Nur eine öffentliche Finanzspritze konnte das Haus retten. 2009 gab es dann wieder schwarze Zahlen. Im vergangenen Jahr stieg der Gewinn von knapp einer halben Million (2009) auf 1,75 Millionen Euro. Triebfeder für das Umsatzplus waren laut Intendant vor allem die seit September laufende Show „Yma“, betont Berndt Schmidt: „Wir hatten innerhalb von vier Monaten mehr als 200.000 Besucher.“

Erfolgreiche Premieren

Von solchen Zahlen können andere Bühnen nur träumen, was allerdings auch an den geringeren Kapazitäten liegt. Lediglich die Deutsche Oper kommt als zweitgrößtes Theater in der Stadt an den Friedrichstadtpalast (1895 Plätze) heran. Und das von Kirsten Harms geleitete Opernhaus konnte seinen Erfolgskurs vom 1. Halbjahr 2010 (die Morgenpost berichtete) fortsetzen. Die Auslastung stieg weiter, im Jahresdurchschnitt liegt sie jetzt bei sehr beachtlichen 81 Prozent. Zum Vergleich: 2009 kam die Deutsche Oper auf knapp 69 Prozent.

Die Zahl der Zuschauer stieg von 229.000 auf 241.000, wobei die Oper (wie auch die anderen Theater mit Ausnahme des Friedrichstadtpalastes) Freikarten mitzählt. Zum Erfolg an der Deutschen Oper trugen laut Pressesprecher Felix Schnieder-Henninger neben den Wagner-Wochen auch drei Neuproduktionen bei: Die Vorstellungen von „Rienzi“, „Otello“ und „Don Giovanni“ seien auch nach der Premiere nahezu ausverkauft gewesen.

Während die mittlerweile im Schiller-Theater spielende Staatsoper Zahlen erst für die nächsten Tage ankündigt und an der Volksbühne noch gerechnet wird, freut sich die Komische Oper über einen gelungenen Saisonauftakt. Von September bis Dezember 2010 stieg laut Marketingsabteilung die Auslastung auf knapp 74 Prozent (2009: 69 Prozent). Auch an der Behrenstraße liefen Neuproduktionen wie „Die Meistersinger von Nürnberg“ oder die Operette „Im Weißen Rößl“ besonders gut.

Ein erfolgreicher Herbst kann zwar nicht das ganze Jahr retten, aber zumindest die Bilanz verbessern: Aufs Jahr gerechnet kommt die Komische Oper demnach auf eine Auslastung von knapp 65 Prozent (2009: 64 Prozent). Die Zahl der Zuschauer sank allerdings von rund 183000 auf 166000. Es wurden weniger Vorstellungen angeboten, um den Staatsballett Auftrittsmöglichkeiten anbieten zu können.

Kudamm-Bühnen vor Peymann

Die großen Sprechtheater bieten das vertraute Bild: Das Berliner Ensemble kommt inklusive Gastspiele auf eine Auslastung von 84 Prozent und zählte 224000 Zuschauer (ohne Gastspiele: 191000). Damit liegt das von Claus Peymann geleitete Haus hinter den privat geführten Kudamm-Bühnen, die nach eigenen Angaben 228000 Besucher hatten. Theaterleiter Martin Woelffer freut sich, „dass wir die Besucherzahlen fast konstant auf dem hohen Niveau von 2009 halten konnten – trotz der vielen Diskussionen um unsere beiden Theater.“ Die beiden erfolgreichsten Inszenierungen waren „Gut gegen Nordwind“ und die Wiederaufnahme von „Wie es euch gefällt“. Das zeige, dass „das Publikum die ,Verjüngung' des Spielplans honoriert“, betonte Woelffer.

Mit gut 82.000 Zuschauern und 80 Prozent Auslastung hat das Maxim Gorki Theater nahtlos an das gute Ergebnis 2009 anknüpfen können. Weil zudem mehr Vollzahler das Haus besuchten, erzielte die Bühne mit über einer Million Euro einen Rekord bei den Kartenerlösen. Am erfolgreichsten liefen die Inszenierungen „Der Besuch der alten Dame“ und „Der zerbrochne Krug“ mit nahezu 100-prozentiger Auslastung.

Mit 105.000 Besuchern in Berlin (84 Prozent Auslastung) und knapp 74.000 auf Gastspielen bilanziert auch die Schaubühne ein erfolgreiches Jahr 2010. Zu den Rennern gehören hier unter anderem „Othello“, „Der Menschenfeind“ und „Protect Me“. Und bei den Erlösen hat das Haus am Lehniner Platz offenbar das Berliner Ensemble abgehängt: Das kommt auf knapp vier Millionen, die Schaubühne liegt etwas darüber.

Auf gut 170.000 Zuschauer kommt das Deutsche Theater (DT), die Auslastung lag 2010 bei 82 Prozent. Inklusive Gastspielen besuchten 201.000 Zuschauer die Vorstellungen des DT, das damit allerdings noch nicht ganz ans Berliner Ensemble herankommt. Aber die Saison war am DT auch kürzer, weil das große Haus im Juni und September wegen Baumaßnahmen weitgehend geschlossen war.