Baumaßnahmen

Friedrichstadtpalast glitzert in neuem Licht

Pünktlich zum Start der Theatersaison ist ein Großteil der umfangreichen Baumaßnahmen im Friedrichstadtpalast abgeschlossen. Davon überzeugte sich der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Dieser Ausflug lohnte sich auch finanziell.

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The Show must go on: Während auf der Bühne im Friedrichstadtpalast schlanke lange Ballettbeine in hautengen Trikots in die Luft geworfen werden, wird hinter den Kulissen seit längerem kräftig gebaut. Pünktlich zum Start der Theatersaison sind große Teile der Arbeiten aber jetzt fertig. Alles wirkt heller, moderner, großzügiger und einladender. Die bunten hübschen Glasbausteine in den Wänden des dreigeschossigen Foyers sind erstmals so hinterleuchtet, dass die Glitzerwelt der Nacht innen bereits am Tag zu erahnen und zu spüren ist. Vorher sorgten Lichterketten wie zu Weihnachten ganzjährig für einen provisorischen Eindruck. Ein neues dezentes Gestaltungskonzept im repräsentativen Eingangsbereich sorgt jetzt dafür, dass die filigrane Architektur des Gebäudes besser zur Geltung kommt. Dafür musste auch der rote Teppich einem anthrazitfarbenem weichen.

Größte Theaterbühne der Welt

Es sind die umfangreichsten Baumaßnahmen seit der Eröffnung des Neubaus am 27. April 1984. Schon zu DDR-Zeiten galt nach Aussagen des Intendanten Berndt Schmidt das Haus als die größte Theaterbühne der Welt. Mit über 100 auftretenden Künstlern seien die Revuen im Friedrichstadtpalast noch heute die größten Ensuite-Shows der Welt. „Es ist richtiges Volkstheater, und es kommen Menschen aller Altersgruppen“, sagt Schmidt. In den vergangenen Jahren sei das Publikum um acht Jahre jünger geworden. Der Altersdurchschnitt liegt jetzt bei 45 Jahren.

Durch die Bauarbeiten soll der Friedrichstadtpalast auch äußerlich den gewachsenen Ansprüchen gerecht werden. Sechs Millionen Euro hat der Senat allein für die Ertüchtigung des Hinterhauses, wo die Garderoben und Büros sind, bereitgestellt. Neue Brandschutzdecken werden gerade eingezogen, 300 Brandschutztüren eingebaut. Die Strangsanierung wird bis 2012 dauern. Davon merkt der Theaterbesucher nichts, denn die Arbeiten vor dem Friedrichstadtpalast und im Foyer – Kosten: rund 950.000 Euro – sind größtenteils während der Ferien geschehen. 150 Bauarbeiter arbeiteten teilweise rund um die Uhr, um pünktlich zum Saisonstart fertig zu werden.

Geld für die Landeskasse

Das Ergebnis kann sich auch im Außenbereich sehen lassen. Der Vorplatz wurde freigeräumt von alten Holzbänken und aus der Mode gekommenen 80er-Jahre-Kugelleuchten. Statt einzelner Kies- und Pflanzbeete mit kleinen Treppenaufgängen, an denen sich die Menschen bei Revue-Ende drängelten, hat Architekt Nicolai Levin ein großzügiges Gesamtkonzept umgesetzt: eine zwölf Meter lange dunkle Granitbank und eine umlaufende Treppenanlage sind dabei die Hauptbestandteile. Levin lobt den Friedrichstadtpalast mit seinen Anleihen aus Art Deco und Jugendstil. Er sei einer der wenigen noch existierenden repräsentativen Bauten aus der DDR-Zeit. Auch wenn es sich eigentlich um einen Plattenbau handele und mit Materialien sehr sparsam umgegangen worden sei.

So handelt es sich bei den Leuchten im Innern beispielsweise um Milchglasleitungen aus einem Betrieb, die kunstvoll arrangiert zusammengesetzt wurden.

Lichtdesigner Andreas Boehlke, der die neue Illuminierung gestaltete, hat auch die Reliefbögen der Außenfassade mit neuen Möglichkeiten ausgestattet. LED-Lichtbänder umspielen die Fenster, die abends jetzt in allen gewünschten Farben inszeniert werden können.

Grund genug für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit, sich die Arbeiten anzuschauen. Der Ausflug lohnte auch finanziell. Vom Intendanten des Friedrichstadtpalastes, Berndt Schmidt, erhielt Wowereit am Ende des Rundgangs symbolisch einen Scheck über 1,088 Millionen Euro überreicht. „Aus eigenen Erträgen“, wie der Intendant stolz sagte.

Der Senat hatte dem Revuetheater an der Friedrichstraße auf dem Höhepunkt einer wirtschaftlichen Krise im Herbst 2008 ein Darlehen in Höhe von 3,5 Millionen Euro gewährt. Am Donnerstag zahlte das Unternehmen die erste Rate in Höhe von 488.000 Euro pünktlich zurück und konnte, weil es dem Friedrichstadt gut geht, sogar noch eine freiwillige Sondertilgung über 600.000 Euro leisten. Um den Rest zu tilgen, hat das Theater noch neun Jahre Zeit. Wowereit freute sich, dass das Theater sein Versprechen einhalten konnte und so Geld in die Landeskasse zurückfließt. Viele hätten damals gesagt, dass er das Geld abschreiben könne.

"Ergebnis harter Arbeit“

Doch es war gut angelegtes Geld, wie Intendant Schmidt anmerkte. Er bedankte sich aber auch für die Hilfestellung, denn ohne das Geld würde es das Revuetheater heute nicht mehr geben. Zum damaligen Sanierungskonzept gehörten auch Umstrukturierungen. Die Beschäftigtenzahl sank von 300 auf 250. „Es war klar, dass eine höhere Betriebswirtschaftlichkeit nötig war“, so Wowereit. Die jetzige gute wirtschaftliche Entwicklung sei das „Ergebnis harter Arbeit“ und natürlich dem künstlerischen Erfolg der neuen Show „Yma“ zu verdanken, die in den vergangenen zehn Monaten von immerhin 400.000 Gästen besucht wurde. 2010 besuchten 450.000 Gäste den Friedrichstadtpalast, im ersten Halbjahr dieses Jahres sind es bislang 200.000. Insgesamt verbucht der Friedrichstadtpalast nach Auskunft des Intendanten pro Jahr einen Umsatz von 25 Millionen Euro, davon sei rund ein Viertel, 6,5 Millionen Euro, subventioniert.