Kino

Auch Nicolas Cage kämpft gegen Terroristen

Im neuen Action-Thriller von Lee Tamahori kann Nicolas Cage als drittklassiger Magier ein bisschen in die Zukunft sehen. Deshalb soll er einen Atomanschlag verhindern. Dabei ist der Film selbst schon eine Attacke - auf unsere Gutgläubigkeit, wenn es um Bilder geht.

Foto: Paramount

Es ist kein Zufall, dass sich ausgerechnet in Lee Tamahoris "Stirb an einem anderen Tag" der wohl absurdeste Gimmick der ganzen "James-Bond"-Reihe findet. Natürlich war das unsichtbare Auto eine Schnapsidee und ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die Serie in eine Sackgasse manövriert hatte. Aber Tamahori liebt es nun einmal, mit der Maschinerie des Kinos zu experimentieren, und zu der gehört auch eine unsichtbar werdende Luxuskarosse.

Der aus Neuseeland stammende Filmemacher nutzt Tricks und Effekte nie, um eine neue Realität zu erschaffen. Bei ihm verweisen sie vielmehr immer auf die Künstlichkeit filmischer Bilder. Mit "Next", seiner Verfilmung von Philip K. Dicks Kurzgeschichte "The Golden Man", treibt er dieses selbstreflexive Spiel mit den Lügen des Kinos nun auf die Spitze.

Cage gibt den Anti-Helden

Die Geschichte um den von Nicolas Cage gespielten Illusionisten Cris Johnson ist in etwa genauso albern und absurd wie das unsichtbare Auto. Johnson besitzt die mysteriöse Fähigkeit, zwei Minuten in die Zukunft sehen zu können. In der Tradition klassischer Pulp- und Noir-Antihelden nutzt er seine Gabe für eine drittklassige Zaubershow in Las Vegas und für kleine Betrügereien an den Spieltischen der großen Casinos.

Doch auf einmal ist die FBI-Agentin Callie Ferris (Julianne Moore) hinter ihm her. Sie hat irgendwie von seiner Begabung erfahren und will sie um jeden Preis nutzen, um einen von europäischen Terroristen geplanten Atombomben-Anschlag auf Los Angeles zu verhindern.

Johnson, der sich als Magier Frank Cadillac nennt, nutzt seine Fähigkeit auf der Bühne und im Casino ausschließlich, um andere hinters Licht zu führen. Sie wird zum Taschenspielertrick, den sich Tamahori auf grandiose Weise aneignet. Die Science-Fiction- und Thriller-Handlung ist für den intellektuellen Filmemacher, der im amerikanischen Genrekino eine neue Heimat gefunden hat, nur Show. Sie liefert ihm ein ums andere Mal einen Vorwand für seine filmischen Zauberkunststücke.

Aberwitzige Story mit überraschender Auflösung

Die Grenze zwischen Cris' Visionen und dem, was tatsächlich um ihn herum passiert, ist von Anfang an undeutlich. Immer wieder entpuppen sich scheinbar reale Szenen als Vorahnungen, die es Johnson ermöglichen, den Lauf der Dinge zu verändern.

Man sollte also nicht einer einzigen Einstellung dieses Films trauen. Jede von ihnen ist Teil einer groß angelegten Attacke auf unsere Gutgläubigkeit, wenn es um Bilder geht.

Die Story, die "Next" erzählt, ist zweifellos aberwitzig. Das weiß auch Lee Tamahori, und so nutzt er sie als Mittel zum Zweck. An dessen Ende steht nicht nur die Dekonstruktion dieses einen Thrillers sondern die des gesamten Kinos. In einer so mutigen wie radikalen Schlusswendung raubt er dem Zuschauer auch noch die letzte Sicherheit und verwandelt damit einen konventionellen Genrefilm in ein avantgardistisches Experimental-Kunstwerk.