Mitunter ahmt die Politik das Theater nach: Während die Schoschonen in „Der Schuh des Manitu“ im Theater des Westens das Kriegsbeil ausgraben, droht Linkspartei-Chef Gregor Gysi gewissermaßen in der Rolle des Häuptlings Listiger Lurch mit dem Bruch der rot-roten Koalition in Berlin. Aus Verärgerung darüber, dass der Anführer der anderen örtlichen Rothäute, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, im Bundesrat der Erbschaftssteuerreform zugestimmt und damit den Koalitionsvertrag gebrochen hat.
Nun geht es beim „Schuh des Manitu“ weniger um das Steuerrecht. Dafür aber – ebenfalls ganz aktuell – um Schrottimmobilien. Und schwer zu bekommende Kredite. 98 Prozent Zinsen! Offenbar müssen die Schoschonen ihr Kapital zusammenhalten. Schließlich können sich die Indianer nicht einmal ein ordentliches Kriegsbeil leisten. Das Billigmodell aus dem Supermarkt lässt sich nicht mehr ausgraben, weil es sich in die ewigen Jagdgründe verabschiedet hat.
PR-Gag mit dem „Rosa Rathaus“
Aber dass sich Klaus Wowereit, sonst regelmäßig Gast bei Musical-Premieren in Berlin, nicht zur Gala angemeldet hat, verwundert doch ein bisschen. Denn der amtierende Kultursenator hatte zuletzt bemängelt, dass in der Hauptstadt nicht nur bewährte Produktionen aus Hamburg oder Holland gezeigt werden sollten, sondern auch mal etwas Neues. Den Wunsch des Regierenden hat Stage Entertainment jetzt umgesetzt und mit „Der Schuh des Manitu“ eine „Welt-Uraufführung“ – wie es im Musical-Jargon immer so schön superlativig heißt – in Berlin präsentiert. Aber schon im Vorfeld wollte Wowereit nicht so recht mitspielen. Einer vom Veranstalter geplante PR-Aktion im „Rosa Rathaus“ – der Berliner Regierungschef residiert traditionell im Roten Rathaus – erteilte er eine Absage. Möglicherweise mit Rücksicht auf seine bundespolitischen Ambitionen. Härte gegenüber der Linkspartei kommt besser an als ein Auftritt auf der „Puder Rosa“.
So heißt die Wellness-Ranch im „Schuh des Manitu“: Dort betreibt Winnetouch (Veit Schäfermeier), der schwule Zwillingsbruder des offenbar von seinem Stamm allein gelassenen Abahachi, einen Wellness-Salon in der Wüste. Gurkenmasken und Peeling machen auch den härtesten Kerl zum geschmeidigen Typen – spätestens beim gemeinsamen Bad im Zuber.
Das Exemplar auf der Bühne des Theaters des Westens erinnert nicht zufällig an das Modell aus dem „Tanz der Vampire“, der vor einiger Zeit am selben Ort zu sehen war. Denn das „Manitu“-Kreativteam hat die Grundidee der mit knapp 12 Millionen verkauften Kinokarten äußerst erfolgreichen Filmparodie von Michael „Bully“ Herbig aufgenommen und weitergesponnen: Machte sich „Bully“ über Karl-May-Filme und Italo-Western lustig, wird jetzt das Genre des Musicals miteinbezogen – bis hin zum kleinen Seitenhieb auf die Oper: Wenn Falscher Hase, der Sohn des Listigen Lurchs, stirbt, dann darf er gewissermaßen seine „Arie“ noch zu Ende singen, bevor er selbst hinsinkt. Der Indianer verabschiedet sich mit den Zeilen: „Jetzt beiß ich ins Gras, für die restliche Show wünsch’ ich viel Spaß.“
Später geht dann noch ein wahres Sternschnuppen-Gewitter in einer an sich superromantischen Szene nieder. Häuptling Grauer Star, der beim Stage-Diving tödlich verunglückte, weil das Publikum noch nicht so weit war, tritt von Tänzerinnen angehimmelt mit Elvis-Glitzerkostüm und Brusthaar-Toupet auf – von Choreograf Dan Knechtges als Persiflage auf alle möglichen Varianten von „Saturday Night Fever“ angelegt. Eine augenzwinkernde Stepptanz-Einlage gibt es ebenfalls. Und Uschi (Michelle Splietelhof, gesanglich das Glanzlicht der Produktion) sucht den Jodel Star. Da darf Ranger (Mark Seibert) angesichts des ewigen Gefesselt-Seins mit der „Gesamtsituation“ unzufrieden sein – ein Lacher, bei dem sich alle „Manitu“-Kenner outen.
Der Regisseur wurde ausgetauscht
Wer den Film kennt und mag, wird gut unterhalten. Die Regie teilt sich offiziell Carline Brouwer mit Gip Hoppe, der Ende Oktober ausgetauscht wurde. Die bewährten Gags sind in der mit dezent bayrischem Zungenschlag ausgestatteten Bühnenfassung erhalten geblieben. Die Lieder schrieb Heiko Wohlgemuth, die Musik komponierte Martin Lingnau, der sich von Karl-May-Melodien bis zu klassischen Broadway-Klängen anregen ließ. Zum Ohrwurm wird der Sirtaki, den der griechische Wirt Dimitri (Detlef Leistenschläger) mit den Worten „Ich trinke Ouzo – und was tust du so?“ anstimmt. Köstlich die Transit-Szene mit einem sächselnden Volkspolizisten, der den eiligen Reiter fragt, ob er sich angesichts der erhöhten Geschwindigkeit ausweisen könne.
Komiker Mathias Schlung schlägt sich achtbar in „Bullys“ Paraderolle als Abahachi. Bühnenbildner David Gallo hat als zentralen Ort einen Salon entworfen, es gibt eine Bühne auf der Bühne, die Geschichte ist als Rückblende angelegt und die Weite der Prärie entsteht durch Projektionen. Die Puppen und Figuren, die an den Musical-Erfolg „König der Löwen“ erinnern, hat Michael Curry entworfen. Sein Erdmännchen bekommt einen Sonderapplaus. Möglicherweise handelt es sich bei dem Tier doch um einen Wombat. Als kleine Anspielung auf „Wowi“, den ausgestopften Wombat im Naturkundemuseum.
Theater des Westens, Kantstr. 12, Charlottenburg. Tel. 018 05/44 44. Bis 31. März.

























