Filmsatire

Dani Levy scheitert am Karikaturenstreit

Eigentlich sollte "Das Leben ist zu lang" eine Persiflage des deutschen Films werden. Doch es wurde bloßes Kopfkino.

„Das Leben ist zu lang“ ist der neue Film von Dani Levy – und ein ernsthafter Grund, sich Sorgen um den Regisseur zu machen. Denn Alfie Seliger, der Held des Films, ist ein jüdischer Regisseur, wie Levy. Er ist Skorpion wie Levy – und er hat zwei Kinder, ebenfalls wie Levy. Seine Tochter wird gar von der leiblichen Tochter Levys gespielt. Und dann trägt dieser Seliger auch noch Levys Brille. Wenn aber die Filmfigur so eindeutig auf Alter Ego getrimmt wird, muss dann nicht auch deren Midlife-Krise – ein doppeltes Versagen, beruflich wie privat – die des Filmemachers sein?

Levy wollte mit seinem letzten Film „Mein Führer“ eine beißende Satire auf Hitler drehen. Es ist ihm nicht gelungen. Sein Seliger will die Antwort des Kinos auf den unsäglichen Karikaturenstreit drehen, ein Projekt namens „Moha-ha-med“. Es will ihm nicht gelingen. Ist „Das Leben ist zu lang“ also ein Rechtfertigungsfilm? Nein, behauptet Levy, er habe lediglich einige Teile seines Lebens „zur Verfügung gestellt“.

Levy führt die Branche als einen einzigen Zirkus von Alphatieren vor. Dabei finden sich mehr Stars als sonst im ganzen Levy-Œuvre. Der Film ist zu kurz, als dass man sie in ihren Kurz- und Kleinstauftritten alle erkennen würde. Viele haben vielleicht gehört, Levy wolle eine Satire auf die deutsche Kinoszene drehen, und wollten lieber mitspielen als abgemeiert zu werden. Andere, die wohl abgesagt haben, bekommen ihr Fett weg. Til Schweiger wird abgestraft, ein blasierter Weltstar firmiert unter dem Namen Georg Maria Stahl. In diesem Haifischgewässer verfängt sich Alfie Seliger immer weiter in einem Netz aus Allüren, Eitelkeiten und haltlosen Versprechungen, um am Ende doch wieder bloß als Nebbich dazustehen. Als Lusche, Niete, Versager.

Oder ist das alles nur Kopfkino? Irgendwann geht der Verschwörungswahn so weit, dass Seliger glaubt, er sei nur der Hauptdarsteller in einem schlechten Film. Er macht sich auf die Suche nach dem Regisseur seines Lebens. Und wirklich entdeckt er Dani Levy, den echten, der vor seinem Alter Ego sofort Reißaus nimmt. Bis dahin war das alles ganz amüsant – einmal davon abgesehen, dass ständig über die Bedeutung des Humors doziert wird, bekanntlich der Tod allen Witzes. Ab Levys Auftritt wirkt sein Film allerdings nur noch wie eine Eigenanalyse, die zunehmend ins Leere läuft. Hätte er sich lieber wirklich eine Satire über den Karikaturenstreit getraut!