Late Night "Hart aber fair"

Plasberg-Talk verwandelt sich in Geldberater-Show

Unsere Währung wird täglich weicher, die Angst vor einer Inflation wächst. Gleichzeitig explodieren die Preise für Edelmetalle.

Wahrscheinlich war dies ein Novum in der „Hart aber fair“-Historie: Eine Gesprächsrunde ganz ohne Politiker.

Stattdessen hatte Frank Plasberg fünf Experten geladen, die die dringlichsten Fragen zur Euro-Krise abarbeiten sollten: Wie sicher ist mein Geld auf der Bank? Wird die Inflation meine Rücklagen auffressen? Wie muss ich Erspartes anlegen, damit es im Alter noch Rendite bringt?

Danach, so die Hoffnung des Moderators, würden die Zuschauer sagen: „Ich blick jetzt ein bisschen besser durch, was diese Währungs-Krise mit meinem Leben macht.“ Eine echte Service-Sendung also, die unter dem Titel „Euro weich, Geld weg?“ anstelle des üblichen, konfrontativen Polit-Talks von der ARD angeboten wurde.

Die Auswirkungen, die der weiche Euro möglicherweise haben kann, schockieren derzeit in der Tat Teile der Nation. Die Sorge, dass eine Inflation jegliche Rücklagen, besonders die Altersvorsorge, auffressen wird, ist groß.

75 Millionen Versicherungsverträge haben die Deutschen insgesamt fürs Alter abgeschlossen. Die Rendite ist dabei jedoch schwer abzuschätzen.

Wer seine Lebensversicherung vor dem Jahr 2000 unterschrieben hat, kann auf einen Garantiezins von 4 Prozent zählen. Wer heute unterschreibt, dem sind lediglich noch 2,25 Prozent sicher.

Ob diese Absicherung noch die Richtige ist, wollte Plasberg vom ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester wissen. Der verteidigte das nach ihm benannte Finanzprodukt, die Riester-Rente, mit Händen und Füßen: „Diese Altersvorsorge ist das Beste, was wir in Europa haben.“

Dem stimmte Börsenexpertin Carola Ferstl zu: „Ich habe auch eine Riester-Rente. Besonders für Frauen mit vielen Kindern macht sie wegen der vielen Zulagen Sinn.“

Der Chefredakteur der Zeitschrift Finanztest, Hermann-Josef Tenhagen, wollte sich immerhin darauf festlegen, dass „die Riester-Rente für Menschen ohne Vermögen das Beste“ ist. „Der Staat schafft vieles nicht, aber die Garantien für diese Versicherungen hält er ein.“

„Meinen Sie damit: Wenn der Garantiezins nicht mehr eingehalten werden kann, haben wir eh so schlimme Probleme, dass das schon egal ist“, fragte Frank Plasberg süffisant und wollte wissen, wie knapp wir denn nun eigentlich wirklich vor einer Inflation stehen.

Die Runde scheute sich vor einer konkreten Antwort. Lediglich Tenhagen wagte die These, dass eher eine Deflation, also sinkende Preise, unsere Volkswirtschaft bedroht.

„Die Japaner leiden seit zwanzig Jahren unter der Deflation, die Leute kaufen einfach nichts.“ Daraufhin kam auch Ernst Elitz, Buchautor und Kolumnist der „Bild“-Zeitung, aus der Deckung: „In der Krise sparen die Leute doch. Das spricht dagegen, dass wir uns in Richtung Inflation bewegen.“

Die Anleger sehen das anders. Schließlich steigen die Rohstoffpreise unaufhörlich – ein untrügliches Zeichen für das Misstrauen der Menschen.

Immer wenn die Wirtschaft wackelt, schießen die Preise für Edelmetalle in den Himmel. Innerhalb der letzten zwölf Monate stieg der Goldpreis um fast 30 Prozent. Doch ist das Material dadurch automatisch eine gute Investition?

Nicht, wenn es um ein langfristiges Investment geht, meinte Journalist Tenhagen: „1979 war der Preis extrem hoch. Doch es dauerte zwanzig Jahre, bis diese Marke wieder erreicht wurde.“

Für Carola Ferstl erfüllt Gold dennoch eine wichtige Funktion: „Menschen sollten ihr Geld in Dinge anlegen, die sie anfassen können und verstehen. Und das ist bei Edelmetallen der Fall.“ Ob man denn dann nicht gleich in die Aktien von Goldminen investieren soll, fragte ein Zuschauer. Ein gefundenes Fressen für die Autorin des Buchs „Frauen sind die besseren Anleger“: „Das ist typisch männliches Denken“, so Ferstl. „Der Mann will gleich die ganze Mine, der Frau reicht bereits die Goldkette.“

Professor Burghof pflichtete ihr bei, dass die Vorstellung, „als einfacher Bürger schlauer sein zu können, als der Markt“, überheblich sei. Auch Tenhagen betonte: „Es ist eine aufwendige Arbeit, sich über die Börse zu informieren.“

Inwieweit der Spruch „Sicher ist, was ich anfassen kann und was nicht verrückbar ist“ zutrifft, wollte Plasberg im letzten Themen-Kapitel der Sendung erfahren.

Zwar gelten Immobilien als wertstabil, doch birgt diese Form der Geldanlage auch viele Gefahren. Besonders, da die meisten Bürger ihre Häuser und Wohnungen zu einem großen Teil durch Kredite finanzieren.

Diese sind im Moment extrem billig. Doch sollte es zu einer Inflation kommen, so steigen die Zinsen. Schließt ein Käufer aufgrund der günstigeren Konditionen eine Zinsbindung lediglich für einen kurzen Zeitraum ab, so kann diese Steigerung einen beträchtlichen Mehraufwand ausmachen. „Je knapper das Monatseinkommen, desto langfristiger die Zinsbindung“, forderte Hermann-Josef Tenhagen.

Generell mahnte die Runde stetig und in völliger Harmonie und Einigkeit vor Unvernunft und Zockermentalität: „Konsum auf Pump ist keine gute Idee.“ Ein pastorales Ende für eine Talkshow, die zwar fair war – aber ganz sicher nicht hart.