Seit fast 30 Jahren spricht Oliver Rohrbeck in der erfolgreichen Hörspielreihe "Die drei ???" den ersten Detektiv Justus Jonas. Daneben leiht der Schauspieler, Synchronsprecher, Regisseur und Produzent unter anderem Hollywood-Schauspielern wie Ben Stiller seine Stimme. Mit "Die drei ???" ging er 2003 auf bundesweite Live-Hörspieltour. Mit der im selben Jahr gegründeten "Lauscherlounge" produziert Rohrbeck heute Hörspiele und veranstaltet Live-Lesungen. Heute kommt der Film "Die drei ???" in die Kinos. Morgenpost Online traf den gebürtigen Berliner in dessen Kreuzberger Studio.
Morgenpost Online ONLINE:
Herr Rohrbeck, im vergangenen Jahr mussten sich "Die drei ???" einigen Änderungen unterziehen. Nach einem Rechtsstreit ermitteln die drei Juniordetektive in den neuen Folgen unter dem Serientitel "Die Drei" und treten zum Teil unter neuen Namen auf. Wie sehr schmerzen diese Veränderungen?
Oliver Rohrbeck:
Ich finde den Rechtsstreit sehr bedauerlich, weil es einfach einen Schatten über dieses ganze Thema geworfen hatte, das bis dahin so unberührt, unbeschwert und anerkannt war. Es gibt sehr wenige Dinge, die von allem Negativen so unberührt sind wie "Die drei ???".
Morgenpost Online: Ein großer Teil der Fangemeinschaft von damals hält Ihnen auch nach nunmehr 28 Jahren immer noch die Treue, obwohl es eigentlich eine Hörspielreihe für Kinder ist. Was ist das Faszinierende an der Serie?
Rohrbeck: Zum einen sind die Geschichten an sich für Kinder sehr faszinierend. Drei Jungs, die sich in einer Erwachsenenwelt behaupten, 48 Monate im Jahr Sommerferien haben, um Fälle zu lösen und nie Hausaufgaben machen müssen. Das ist natürlich spannend. Zum anderen vermute ich, dass die Fans in der Kindheit regelrecht dazu erzogen worden sind. Wenn der Fernseher tabu war, durften sie noch eine Kassette zum Einschlafen hören. Dadurch haben sie vielleicht eine Art Tiefenprogrammierung bekommen. Das sind Kindheitserinnerungen, an denen man einfach hängt. Nicht umsonst waren eine Zeit lang rund 85 Prozent unserer Hörer Erwachsene. Dass wir nach all den Jahren immer noch diesen Status genießen, ist natürlich toll.
Morgenpost Online: Sie haben bereits in der Hörspielserie "Fünf Freunde" mit der Rolle des "Julian" den Anführer gesprochen. Liegt Ihnen die Leader-Rolle?
Rohrbeck: Ich habe das immer für Zufall gehalten. Vielleicht habe ich aber damals auch so eine große Klappe gehabt, da ich sofort für die Rolle des Justus Jonas vorgesehen war. Andreas (Fröhlich, spricht Bob) und Jens (Wawrczeck/Peter) haben dagegen die Rollen noch am ersten Tag getauscht. Andreas als Peter hatte damals mehr Text und verlas sich noch häufig, so dass nach zwei Stunden getauscht werden musste! (lacht)
Morgenpost Online: Ab heute werden die drei Detektive im Kino zu sehen sein. Ein längst überfälliger Schritt?
Rohrbeck: Jein. Wir waren immer ganz froh, dass dieser Schritt nie gegangen wurde. Die Serie ist eine traditionelle Hörspielwelt. Bei jedem entsteht ein anderes Bild im Kopf. Wir hätten es schade gefunden, wenn dem Hörer plötzlich irgendwelche Bilder in den Kopf gepflanzt werden sollen. Andererseits musste es ja so kommen. Es war nur eine Frage der Zeit, dass ein erfolgreicher Stoff, der sich so gut für das Family-Entertainment eignet, verfilmt wird. Mit dem Ergebnis sind wir aber sehr zufrieden.
Morgenpost Online: Glauben Sie, dass einige Fans durch die Konfrontation mit den visualisierten Charakteren irritiert oder gar enttäuscht werden könnten?
Rohrbeck: Nein, das glaube ich nicht. Ich meine, dass jeder zwischen Film und Hörspiel unterscheiden kann, da die Kassettenwelt einfach in einem anderen Universum spielt. Diese Welt ist wirklich absurd, seit 28 Jahren werden die drei kaum älter, die Außenwelt verändert sich jedoch in realer Geschwindigkeit. Und obendrein mimen wir noch immer Teenager. Im Hörspiel geht so etwas, da der Hörer sich zu der Stimme eine Figur vorstellt, die irgendwie in diese Welt passt. Im Film funktioniert so etwas natürlich nicht. Daher hätten wir die drei auch nie synchronisieren können und dies auch nicht gewollt, um nicht diese Gesichter auf der Leinwand zu legitimieren und somit das persönliche Bild jedes Einzelnen zu zerstören.
Morgenpost Online: 2003 gründeten Sie mit der "Lauscherlounge" ihre eigene Produktionsfirma. Welche Idee stand dahinter?
Rohrbeck: Nach der Live-Tour mit "Die drei ???" vor vier Jahren wurde mir bewusst wie interessant es für das Publikum ist, Dinge, die hinter den Kulissen geschehen, sichtbar zu machen wie etwa die Darsteller oder den Geräuschemacher. Daraus entstand dann die Idee, Literaturlesungen und Live-Hörspiele mit bekannten Synchronsprechern und musikalischer Untermalung zu veranstalten.
Morgenpost Online: Mit welchen Projekten beschäftigen Sie sich zurzeit?
Rohrbeck: Jeden letzten Freitag im Monat veranstalten wir in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg Lesungen und Live-Hörspiele. Dazu laden wir bekannte Synchronsprecher ein, wie jene von Jonny Depp, George Clooney oder Julia Roberts, deren Gesichter das Publikum meistens nicht kennt. Darüber hinaus veröffentlichen wir eigene CDs mit Hörspielen, Lesungen und Kurzgeschichten.
Morgenpost Online: An wen richtet sich Ihr Programm?
Rohrbeck: Vor allem an jene, die mit Hörspielen aufgewachsen sind und anspruchsvolle Erwachsenen-Hörspiele mögen. Ich glaube, dass auch die Drei-Fragezeichen-Hörer gerne andere Sachen von uns hören möchten. Damit haben wir als Label eine noch unbesetzte Nische gefunden hinsichtlich der Sprecher sowie der Konzeption der Stoffe.
Morgenpost Online: Ist das Hörspiel denn noch zeitgemäß? Häufig wirkt es doch sehr antiquiert.
Rohrbeck: Gerade dieses Image wollen wir ja wieder auffrischen. Heutzutage ist man ein anderes Hören gewohnt als noch in den siebziger Jahren. Die damaligen Hörspiele im öffentlich-rechtlichen Rundfunk waren meist Kammerspiele ohne Hintergrundmusik oder Geräuscheffekte.
Rohrbeck: Da würde man heute abschalten und denken: Oh Gott, ist das langweilig! Durch die großartigen Kinofilme mit ihrer ausgeprägten Technik sind wir heute viel filmisches Hören gewohnt - mit musikalischer Untermalung und fantastischen Soundeffekten. Das setzen wir bei unseren Hörspielen um. Das regt die Fantasie an, da wir schließlich nicht die Bilder dafür vorgeben. Das Fernsehen sehe ich deshalb nicht als Konkurrenz an. Das ist die pure Reizüberflutung.





