Künstler, die es sich leisten können, nach einer Tournee durch ganz Deutschland noch einen Abschlussauftritt in der Waldbühne obendrauf zu setzen, müssen diesen natürlich auch standesgemäß zelebrieren. In der Open-Air-Arena in Charlottenburg warten schon zwei Stunden vor Beginn des Live-Hörspiels „Die drei ??? und der seltsame Wecker“ mehrere tausend Fans auf die drei Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews. Es herrscht eine Stimmung wie bei einem Volksfest. Die La Ola schwappt schon durch das Rund, bevor auf der Bühne irgendetwas los ist.

Dann ist es endlich soweit: Stilecht und in bester Superstar-Manier lassen sich die drei Detektive nach einem kurzen Intro aus dem Off in einem weißen Rolls-Royce samt Chauffeur wie in ihren Hörspielen vor die Bühne fahren. Jubel. Standing-Ovations. Gänsehaut-Gefühl. Die Fans feiern ihre Helden wie Popstars. Oliver Rohrbeck, alias Justus Jonas, springt aus dem Auto und freut sich sichtlich über den Anblick. Weit über 15.000 Zuschauer sind in die Waldbühne gekommen. Wie bereits erwähnt: Es handelt sich hier um ein Live-Hörspiel und nicht um ein Rockkonzert oder einen internationalen Superstar. Es sind nur drei Männer im Alter von Mitte 40, die drei Jugendliche spielen. Es sind die Helden der Kindheit eines jeden Zuschauers.

Euphorisch ruft Andreas Fröhlich in seiner Rolle als Bob Andrews in die Menge: „Das ist unglaublich. Ihr seid ja wirklich alle gekommen!“. Freilich kennen die drei bereits die Vorverkaufszahlen. Ihre ehrliche Freude über diesen Zuspruch nimmt man ihnen dennoch ab.

Fast zweieinhalb Stunden bieten „Die drei ???“ eine unterhaltsame Show. Dabei ist es ihnen gelungen, ein biederes 45-minütiges Hörspiel für Kinder zu einem massentauglichen Open-Air-Event für Erwachsene zu transformieren. Und ohne, dass die Handlung aufgeplustert, langweilig oder bemüht witzig wirkt. Immer wieder weichen sie von ihrem Skript ab, improvisieren und nehmen manchen Versprecher des Erzählers Helmut Krauss (richtig, das ist Herr Paschulke aus „Löwenzahn“) auf die Schippe.

Die eigentliche Zielgruppe ihrer Hörspiele vernachlässigen sie dabei bewusst. So küssen sich etwa Bob und Peter, nachdem sie auf der Karaoke-Anlage den Dalida-Schmachtfetzen „Worte, Worte“ („Paroles, paroles“) hingebungsvoll-kitschig zum Besten geben und sich ihre Liebe gestehen. Zuvor ist Bob ganz fasziniert von einem stöhnenden Wecker, der eindeutige Assoziationen weckt. Undenkbar bei den normalen Hörspielen, in denen sonst immer alles ganz brav, vernünftig und kindgerecht zugeht.

Das Publikum gibt ihnen jedenfalls Recht: Nur wenige Kinder sind in der Waldbühne oder besser gesagt: Dürfen ihre Eltern begleiten. Denn „Die drei ???“ sind als Live-Hörspiel auf eingefleischte Fans zugeschnitten. Fast alle Gags basieren auf alten Folgen und wecken Erinnerungen an längst vergessene Hörspiel-Nachmittage. Typische Insider-Witze eben. Die wichtigsten Original-Zitate bleiben erhalten. So etwa die fürsorgliche Übersetzung des Erzählers Krauss: „An dieser Stelle eine Bemerkung für alle, die nicht Englisch können: Clock, ist das englische Wort für Uhr.“ Das Publikum schmeißt sich weg.

Am Ende der mit viel Applaus aufgenommenen Show wird es offiziell in der Waldbühne. Ein Vertreter des Guinnessbuch der Rekorde bestätigt, dass „Die drei ???“ an diesem Abend mit weit über 15.000 Zuschauern bei einem Live-Hörspiel bereits zum zweiten Mal einen Weltrekord aufgestellt haben. Wie und ob „Die drei ???“ weitermachen, wollen oder können sie noch nicht verraten. Es ist aber wahrscheinlich, dass sie irgendwann noch einmal auf Tournee gehen werden. Wahre Helden sterben eben nie.