Auf der einen Seite Everybodys Darling, der beliebteste Deutsche, der kommende Woche zehnjähriges Jubiläum mit ”Wer wird Millionär?“ feiert und mit seinem Magazin ”Stern TV“ bereits im 20. Jahr auf Sendung ist. Ihm gegenüber Deutschlands meist umworbener Brachialkomiker, der an der Schulter von Harald Schmidt dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu jüngerem Publikum verhelfen sollte und dann mit Zoten und Geschmacklosigkeiten regelmäßig die Erregungs-Reflexe verschiedener ARD-Aufsichtsgremien prüfte, ehe er zur neuen Sat.1-Hoffnung (ab 2. Oktober mit eigener Late-Night-Show) avancierte. Ein Duo mit Zukunft?

Schon möglich, allerdings nur, wenn an ihrem gemeinsamen neuen Quiz-Format bei RTL noch gefeilt wird. Denn eines wurde gleich zum Start deutlich: Wer die Fragen stellt, ist bei dieser Mixtur aus ”Schlag den Raab“ und ”Wer wird Millionär?“ eigentlich egal. Und ebenso egal ist es, wer sie zu beantworten versucht. Dem eingefleischten Fan von Jauchs Quotenhit mag auch diese neue Version der Multiple-Choice-Ratesendung genügen, doch alle anderen Zuschauer dürften bei einem zweistündigen Programm an zusätzlichen Showeinlagen interessiert sein.

Die kamen zu kurz. Wenn Pocher nicht einige aberwitzige Dialoge eingestreut und Jauch nicht manches Mal seine Schlagfertigkeit unter Beweis gestellt hätte, wäre der Auftakt von ”5 gegen Jauch“ nicht mehr als ein müder Abklatsch von "Wer wird Millionär?“ geworden.

Die Versuchsanordnung sieht vor, dass fünf Herausforderer den Kandidaten Jauch mit jeweils bis zu fünf Fragen aus allen erdenklichen Wissensgebieten malträtieren. Für jede Frage, die er nicht beantworten kann, gehen 10.000 Euro aufs Konto des Herausforderers. Jauch ist besiegt, wenn er alle fünf Fragen eines Bewerbers falsch beantwortet. Liegt er aber einmal richtig, scheidet der Fragensteller sofort aus. Den bisher erspielten Gewinn kann dieser allerdings sichern, wenn er zuvor bereits die sogenannte ”goldene Frage“ eingesetzt hatte und Jauch dabei passen musste. Mit der möglichst originellen ”goldenen Frage“ bewerben sich die Kandidaten bei RTL, die restlichen vier dürfen sie aus den Einsendungen abgelehnter Bewerber auswählen.

Bis zu 250.000 Euro kann ein Herausforderer gewinnen, denn die Konto-Einlagen der bereits ausgeschiedenen Kontrahenten fließen in den Jackpot. Jauchs Waffen im Kampf gegen das Quintett und seine potenziellen Wissenslücken sind fünf Joker: Einmal darf er für 20 Sekunden im Internet recherchieren, je zweimal für eine Minute das Publikum nach der richtigen Antwort fragen oder mit einem Bekannten eines Studiozuschauers telefonieren.

Die in der Theorie etwas kompliziert anmutenden Regeln konnten in der Praxis für den geneigten Fernsehzuschauer durchaus verständlich umgesetzt werden, während Jauch in der ersten Raterunde bei Fragen wie nach dem eigentlichen Vornamen von Nelson Mandela (Rolihlahla) durchweg daneben lag. Bald zeigte sich allerdings, dass er in zehn Jahren auf dem Quizstuhl doch einige Routine im Kombinieren entwickelt hat und sich keineswegs blamieren würde.

So hieß es nach der zweiten Runde nur noch 2 gegen Jauch, und ein bisschen hatte es den Anschein, als würde der Fernsehmann mitunter absichtlich falsch antworten, um dem Spiel eine gewisse Spannung zu erhalten.

Moderator Pocher sorgte indessen für Auflockerung, indem er einfach mal von den Quizthemen abschweifte. Einen jungen Mann aus dem Publikum, der Jauch seine ”gute Freundin“ zwecks Beantwortung einer Harry-Potter-Frage als Telefonjoker ans Herz legte, löcherte er: ”Gute Freundin – könnte mehr daraus werden? Lässt sie dich nicht ran?“, um anschließend auch die ”gute Freundin“ am Telefon zu piesacken: ”Warum hat das nie zwischen euch geklappt?“ Typisch Pocher eben, aber in einer eher trockenen Quizshow durchaus unterhaltsam.

Die ”gute Freundin“ konnte Jauch dann wirklich helfen. Und so musste auch die 19-jährige Herausforderin Sina Schiele, eine attraktive Erscheinung, die später gern zum Fernsehen will (Pocher: ”Das krieg ich hin“) die Segel streichen. ”Viel Spaß bei Sat.1“ wünschte Jauch der Abiturientin zum Abschied.

Immerhin zwei der Herausforderer schafften es schließlich bis zur fünften Runde – und mit ihnen eine skurrile Frage mit noch skurrilerer Antwort: ”Welche dieser Wahlvereinigungen erreichte 2009 bei Gemeinderatswahlen in Thüringen weniger als 10 Prozent der Stimmen? A: Grillverein Wingerode, B: Pro Bockwurst, C: TTC Schnelle Kelle oder D: Verlorenes Fähnlein“. Nun, der Grillverein kam auf 36,8 Prozent, und auch die Schnelle Kelle und Verlorenes Fähnlein erzielten zweistellige Ergebnisse. Pro Bockwursts revolutionäre Forderung nach einer kostenlosen Internetanbindung unterstützten nur oder immerhin 6,4 Prozent der Wähler.

Um 22.10 Uhr hatten eine Mathematikstudentin und ein Berater für Kommunikation je 20.000 Euro gewonnen, aber dennoch gegen Jauch verloren. Eigentlich war die Show zu Ende, doch weil noch 20 Minuten Sendezeit übrig blieben, präsentierte RTL kurzerhand fünf neue Kandidaten. Die wirkten etwas irritiert, als ihr Ratespiel schließlich abgebrochen wurde, während der Sender sich damit festgelegt zu haben scheint, das Format ohne Kenntnis der Einschaltquoten irgendwann fortzuführen.