Open-Air-Theater

Bauer sucht Frau als Sommerspaß im Hexenkessel

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Ulrike Borowczyk

Foto: Hexenkessel Hoftheater

Das Hexenkessel Hoftheater spielt Molières "George Dandin" - eine quietschbunte Komödie mit fabelhaften Kostümen, vielen Straßentheater-Elementen, aber auch mit klamaukigen Wiederholungen.

Sie ist knackig, jung und adlig, er ein hässlicher alter Bauer. Aber George Dandin wollte ja unbedingt eine Frau, auf die alle neidisch sind. Nun muss er feststellen, dass er sich gründlich verhoben hat, denn die schöne Angelique tanzt ihm gehörig auf der Nase rum. Ausgerechnet der Bote ihres Liebhabers öffnet George Dandin versehentlich die Augen. Fortan schäumt der gehörnte Gatte vor Wut.

Nicht jede Bauer-sucht-Frau-Geschichte hat ein Happy End. Schon gar nicht, wenn ein dichterisches Genie wie Molière die Finger im Spiel hat. Seine Komödie „George Dandin oder Der bestürzte Ehemann“ zelebriert genüsslich, wie der Snobismus dem tölpelhaften Bauern zum Verhängnis wird. Die Komödie, die Molière gleich nach „Der Menschenfeind“ und kurz vor „Die Schelmenstreiche Scapins“ schrieb, verbindet die französische Tradition der Farce mit der Tradition der italienischen Commedia dell'Arte. Die Compagnia Lazzo Mortale zeigt in Kooperation mit den Volkstheater-Experten vom Hexenkessel Hoftheater eine quietschbunte Komödie mit fabelhaften Kostümen (Isa Mehnert) und vielen Straßentheater-Elementen, aber auch mit den typischen klamaukigen Wiederholungen des Genres, die durchaus eine leichte Straffung vertragen könnten.

Dennoch ist die Inszenierung von Alberto Fortuzzi und Rosa Masciopinto auf der neuen, idyllisch begrünten Sommerbühne zwischen den Märchenhütten des Hexenkessel Hoftheaters überaus vergnüglich. Von Akkordeonist Oleg Nehls mit stimmungsvollen Canzoni begleitet, spielt das Ensemble erstklassig auf. Allen voran Alberto Fortuzzi als rumpelstilzchenhafter George Dandin, der trotz etlicher Warnungen des Schicksals (Susanne Bohrmann-Fortuzzi) einfach nicht erkennen möchte, dass er sich mit der Heirat selbst eine Falle gestellt hat.

Dabei will der Betrogene einfach nur Rache – oder zumindest die Scheidung. Was gar nicht so einfach ist, wenn man eine Baronesse geheiratet hat. Wie auch der gräfliche Galan (Christoph Bernhard), beteuert Angelique (Sylke Hannasky) vor ihren eilends herbeigerufenen Eltern ihre Unschuld. Als verarmte Provinzadlige mit fatalem Hang zu schwerst spekulativen Börsengeschäften wollen die ihren reichen Schwiegersohn zwar behalten, verachten den Bauern aber mit boshaftem Standesdünkel. Sie zwingen ihn sogar, sich beim Grafen zu entschuldigen.

Die Macken der vermeintlich schnieken Adligen sind einfach köstlich: Graf Clitandre hat das wohl fieseste Lachen seit Menschengedenken und die ach so vornehmen Eltern von Angelique palavern untereinander aufs Derbste bayrisch-berlinisch. Keine der Figuren dieses turbulenten Stücks ist wirklich sympathisch. Und alle offenbaren trotz grotesker Überzeichnungen dunkle, zutiefst menschliche Abgründe, die auf komische Weise melancholisch stimmen.

Hexenkessel Hoftheater, Sommerbühne auf dem Bunkerdach, Monbijoupark (gegenüber Bode-Museum), Mitte, Tel:288866999. Bis 14.8., 20 Uhr