Es ist ein internationaler Parcours der Provokationen, den der britische Komiker Sacha Baron Cohen (37) absolviert. In Amsterdam posierte er mit leicht bekleideten männlichen Models im Rotlichtviertel, in Madrid erschien er im Stierkostüm, in London führte er ein Regiment von Hotpant-Gardisten an. Nach seinen Erfolgen als Möchtegern-Gangsta-Rapper Ali G. und kasachischer Fernsehreporter Borat hat sich Cohen in den homosexuellen, österreichischen Rundfunkreporter Brüno verwandelt. In Berlin sorgte dieser am Sonntagabend für Drängeleien auf dem Pariser Platz.
Kurz nach 18 Uhr erschien Brüno in einem pinkfarbenen, körperbetonten Wollanzug mit passenden Wollstiefeln und aufgenähten Genitalien am Brandenburger Tor. Begleitet wurde er von Mitarbeitern, Frauen und Männern, alt und jung, die ebenfalls hautenge Wollanzüge mit aufgenähten Geschlechtsteilen trugen. Die Spaß-Figur Brüno hatte Ex-Model Cohen bereits Mitte der 90er-Jahre entwickelt.
Er weiß, wie man für Fotografen posiert. Und genau das tat er am Pariser Platz. Mit seinem neuen Film „Brüno“ nimmt er die Modebranche auf die Schippe. „Das sind die United Colours of Brünoton“, sagte Cohen und streckte den Fotografen seinen Po entgegen.
Denken ist auf dem Laufsteg nicht angesagt
Die Bildreporter und Kameraleute wurden, wie auch die vielen Passanten, die sich hinter Absperrseilen drängelten, selbst Teil der Inszenierung. Die Models fleischfarben, nackt, willig dem Diktat der Fotografen ergeben. Sacha links, Sacha rechts, Sacha, zeig es mir, Baby. Kein allzu schwer zu entschlüsselndes Statement, das Cohen über die Fashionwelt vermittelte: Denken ist auf dem Laufsteg nicht angesagt.
Auf Fragen ging er, während aus einem tragbaren Rekorder Laufsteg-Musik über den Platz plärrte, nicht ein. Nur einmal unterbrach er seine Performance, und zwar, als er einen Fotografen sah, der tatsächlich sein Kind (einen Monat alt) in einer Babytasche vor der Brust trug und dabei: „Sacha, to the left“ brüllte. „Bring dein Kind nach Hause“, sagte Cohen. Dann verfiel er wieder in seine Rolle. Etwa eine halbe Stunde lang ließen sich Brüno und seine Mitstreiter von den Fotografen scheuchen. Dann war der Spuk vorbei, von Autogrammjägern belagert bahnte man Cohen den Weg ins Hotel Adlon.
Was Cohen für den Film, der am 9. Juli in die Kinos kommt, bereits so alles anstellte: In Arkansas lud er Tausende Fans zu einem „Cage Fighting“ ein, versprach Billig-Bier und heiße Mädels. Statt brutaler Käfig-Kämpfe küssten sich Muskelmänner, es gab Mega-Tumulte.
Auch in Berlin wurde für „Brüno“ gedreht
Mit Arnold Schwarzenegger versuchte Brüno über Homosexuelle zu sprechen. „Arnie“ war „not amused“, Securitymitarbeiter gingen dazwischen. Und auf den sonst gänzlich humorfreien Mailänder Modenschauen wirbelte Brüno in einem monströsen Kleiderberg über den Laufsteg. Den hilflosen Veranstaltern blieb nichts anderes übrig, als das Licht auszuknipsen. Auch in Berlin wurde für „Brüno“ gedreht: Im Bangaluu-Club legte Brüno mit einem roten Glitzerfummel bekleidet nachts um vier als DJ auf. Nachdem er den Tänzern die Musik abgedreht hatte, ließ er sich auspfeifen und aus dem Club tragen. Nur ganz wenige hatten Cohen dabei erkannt.
Vor wenigen Wochen sorgte Baron Cohen dann bei der Verleihung der MTV Movie Awards für einen vermeintlichen Skandal: In einem weißen Engelsgewand seilte er sich über dem Zuschauerraum ab und landete auf Eminems Schoß. Sein äußerst spärlich bedeckter Hintern „lachte“ dem Rapper dabei direkt ins Gesicht. Wenig später wurde bekannt, dass der „Po-Stunt“ abgesprochen gewesen sein soll.
Zuletzt war Sacha Baron Cohen in der Rolle seiner anderen Kunstfigur im Kino zu sehen: In „Borat“ mimte er den rassistischen, antisemitischen Journalisten Borat aus Kasachstan, der die Menschen in den USA mit seiner naiven Art täuschte und ihnen so haarsträubende politische Ansichten entlockte.
Am 9. Juli kommt der Film nach Deutschland.




