Pittiplatsch kam nie in den Stimmbruch. Der freche braune Kobold, dessen Abenteuer Generationen von Zuschauern des DDR-Kinderfernsehens entzückten, zieht auch heute noch Kinder und Erwachsene in seinen Bann. Verliehen wurde sie ihm seit 47 Jahren von Heinz Schröder. Nun ist der Puppenspieler tot. Bereits am 22. April – nur zwei Tage vor seinem 81. Geburtstag – erlag er in einem Krankenhaus in Rüdersdorf bei Berlin einem Krebsleiden.
Der bescheidene Rentner gehörte zu den Gründern des „Märchenlandes“. Seit fünf Jahrzehnten spielte und sprach er nicht nur Pittiplatsch, sondern auch andere Figuren: Herrn Fuchs etwa, Onkel Uhu, Frau Igel oder den Bären Bummi. Ans Aufhören dachte Schröder trotz des hohen Alters nicht.
Seit mit der Abwicklung des DFF 1991 keine neuen Geschichten rund um das Märchenland mehr gedreht wurden, tourten Schröder und sein kleines „Pittiplatsch-Ensemble“ erfolgreich mit einem Bühnenprogramm durchs Land. Bis kurz vor seinem Tod gab er noch Vorstellungen. Er sei ein Stück weit immer Kind geblieben, sagte Schröder – vielleicht war genau das das Geheimnis seines Erfolgs.
Schon in jungen Jahren war Schröder, der in einfachen Verhältnissen in Berlin-Friedrichshain aufwuchs, von Figuren begeistert: „Ich habe aus Kartoffeln Puppen gebastelt.“ In den Nachkriegsjahren hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, ehe er über ein Laien-Arbeitertheater zum DDR-Fernsehen kam, das damals in den Anfängen steckte und seinen Zuschauern auch ein Kinderprogramm bieten wollte.
Von 1957 an sprach und spielte er zunächst in den Sendungen mit dem Schneidermeister Nadelöhr den Bären Bummi und andere Figuren, ehe er 1962 beim neu erfundenen Sandmann den Pittiplatsch übernahm. An dessen markanter Stimme experimentierte er seinerzeit eine ganze Nacht lang, eher er verzweifelt krächzte: „Ich kann nicht mehr“. „Genau das ist es!“, befand Regisseur Erich Hammer.
Fast wären Pitti und sein Ausruf „Ach Du meine Nase“ wieder in der Versenkung verschwunden. Nach zwei Folgen sollte Pitti weg, weil Lehrer und Erzieher in dem vorlauten Burschen kein Vorbild für die Kinder sahen. Doch nach einer bis dato unbekannten Flut von Protestbriefen ging Pitti Heiligabend 1962 wieder auf Sendung. Der allabendliche Sandmann auf MDR, RBB oder Kinderkanal wird immer wieder garniert mit Geschichten aus dem Märchenland. Sie stammen allesamt noch aus DDR-Zeiten, sind aber bei den Kindern des neuen Jahrtausends nicht minder beliebt. BMO


















