Die „5-Millionen-SKL-Show“ mit Moderator Günther Jauch bei RTL verschwindet vorerst vom Bildschirm. Die von der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) gesponserte Show verstößt nach Ansicht der Medienaufsicht gegen die neuen Vorschriften für Glücksspiele, wie der Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), Reinhold Albert, am Donnerstag sagte.


Eine RTL-Sprecherin sagte, aufgrund der derzeitigen Rechtslage habe der Sender die Show aus der Planung genommen. Die SKL geht jedoch davon aus, „dass es im Rahmen der geltenden rechtlichen Vorgaben zu einer Lösung für eine Fortführung des Sendeformats“ kommen wird. Sie kündigte Gespräche mit den an der Entscheidung beteiligten Institutionen an.


Der Lottoverband warnte vor einem Aus für derartige TV-Sendungen und allgemein vor einer Zerstörung der „deutschen Glücksspielkultur“ sowie der möglichen Vernichtung von Arbeitsplätzen durch den Anfang des Jahres in Kraft getretenen neuen Glücksspielstaatsvertrag. Die TV-Ziehung der Lottozahlen ist derweil nach Angaben von ARD und ZDF nicht gefährdet. Ein Sprecher des bei der ARD für Lotto zuständigen Hessischen Rundfunks sagte, der Sender gehe davon aus, dass die Ziehung weiterhin nicht betroffen sei. Die Sendung sei vom Gesetzgeber weiter ausdrücklich erlaubt. Sie diene der Information. Ein ZDF-Sprecher sagte: „Wir sehen hier keinen Handlungsbedarf.“


Den Angaben zufolge teilte die für RTL zuständige NLM ihre Einschätzung in einem Schreiben vom 1. Juli mit. Sie beruft sich darauf, dass TV-Werbung und Sponsoring für öffentliche Glücksspiele seit Anfang 2008 untersagt sind. Der stellvertretende NLM-Direktor Andreas Fischer sagte, der Fall sei eindeutig, weil die SKL Sponsor der Sendung sei.


Nach SKL-Angaben hat der Gesetzgeber im neuen Staatsvertrag explizit eine Ausnahmeregelung vom Verbot der Fernsehwerbung festgeschrieben, unter die nach ihrer Auffassung auch die Show falle. In einem Schreiben an die SKL habe das bayerische Innenministerium im Namen der Glückspielaufsichtbehörde diesen Standpunkt geteilt, wenn im Rahmen der Show Modifizierungen vorgenommen würden. Dazu zählten unter anderen der Verzicht auf das Telefongewinnspiel und die Nennung der Kandidatenhotline. Die Lotterie habe sich dazu bereits bereit erklärt. Die Gewinnsumme werde unabhängig von der Entscheidung über die TV-Show ausgespielt


Laut der „Süddeutschen Zeitung“ hatte die Sendung, bei der die Kandidaten fünf Millionen Euro gewinnen konnten, bis zu neun Millionen Zuschauer. Die nächste Ausgabe war ursprünglich für den 30. August geplant. Nach Angaben der RTL-Sprecherin lief das Format zwei Mal im Jahr.


Erst jüngst hatten die beiden gemeinnützigen Fernsehlotterien „Ein Platz an der Sonne“ in der ARD und „Aktion Mensch“ im ZDF Befürchtungen geäußert, ihre Hilfsaktionen einschränken zu müssen. Sie beklagten, dass sie wegen des Staatsvertrages kaum noch Fernsehspots zeigen dürften.

Ab 1. Januar 2009 ist bereits das Lottospielen im Internet verboten. Norman Faber, Präsident des Deutschen Lottoverbands, kritisierte, 35.000 Arbeitsplätze stünden damit auf dem Spiel, und den Bundesländern würden jährlich mehr als eine 1 Milliarde Euro fehlen. „Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Es ist kein einziger Nur-Lotteriespieler mit einem Glücksspielsucht-Problem bekannt“, meinte Faber.

ddp/gr