Film "Männersache"

Mario Barth scheitert mit seinem Sozialdrama

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Josef Engels

Brüste, Pinkeln, Frau beim Einparken: "Männersache", das Kinodebüt des Komikers Mario Barth, erfüllt viele Erwartungen, die an einen Mario-Barth-Film gestellt werden müssen. Doch obendrein gibt sich das Werk als Sozialdrama. Dass Barth mit diesem Größenwahn scheitert, ist fast wieder sympathisch.

Menschen sind schon aus geringfügigeren Gründen größenwahnsinnig geworden. Aber mal so nebenbei das ganze Berliner Olympiastadion füllen - das bekommt ja noch nicht mal Hertha BSC hin, obwohl der Verein beste Chancen hat, deutscher Meister zu werden. So gesehen kann es kaum überraschen, dass Mario Barth nun schon wieder neue, mindestens ebenso abstruse Superlative anpeilt.

Nicht nur, dass der im Guinness-Buch der Rekorde als "Live-Comedian mit den meisten Zuschauern" verzeichnete Spaß-Grossist jetzt mit eigenem Film in die Kinos kommt - er ist auch Autor, Co-Regisseur, Mit-Produzent und spielt zudem noch sechs verschiedene Rollen.

Was will Barth, dessen Rekord-Show im Olympiastadion als "fatale Mischung aus Kindergeburtstag und Reichsparteitag" bezeichnet wurde, als nächstes? Die Weltherrschaft? Nicht ganz. Mario Barths Trick ist es ja lustigerweise, sich klein zu machen und einen aus dem Volk zu spielen (oder schlimmstenfalls sogar zu sein), der selber am lautesten über die eigenen Witze lacht. Dieses Bild, das die Massen von Barth haben, wird in der Kumpel-Komödie "Männersache" bestätigt, auch wenn es den Anschein hat, dass es zerstört werden soll.

Der erfolgreiche Komiker Mario Barth spielt den erfolglosen Komiker Paul Schawbonski, der tagsüber in einer Zoohandlung arbeitet und abends nicht witzig gefunden wird. Erst als er anfängt, dem Publikum aufgespießte Gemeinheiten aus dem Beziehungsleben seines besten Freundes Hotte (Dieter Tappert) und dessen Freundin Susi (Anja Kling) aufzutischen, kommen die Lacher. Freilich auf Kosten einer wunderbaren Männerfreundschaft, die sich vor allem durch gemeinsames Komatrinken und eine gewisse Schamlosigkeit bei Blähungen auszeichnet.

Keine Frage: "Männersache" erfüllt nicht alle, aber doch viele Erwartungen, die wohl an einen Mario-Barth-Film gestellt werden müssen. Man sieht unter anderem nackte Brüste, einen Mann beim Pinkeln, eine Frau beim Einparken sowie vieles, was man eigentlich gar nicht näher beschreiben möchte. Aber immerhin beginnt man das Geheimnis des Barthschen Erfolges besser zu verstehen.

Hier sorgt endlich jemand für die nötige Orientierung und zeigt, wie das Zusammenleben der Geschlechter nach den Wirrungen des Feminismus funktioniert. Seltsamerweise genauso wie davor: Der Mann schafft auf dem Bau und trinkt Bierkasten um Bierkasten, die Frau keift herum und bleibt ein Rätsel.

Auch die Gesellschaft ist - zumindest in "Männersache" - klar strukturiert. Da oben der versnobte Unternehmer, der geldgierige Manager und der spießige Oberarzt, da unten der einfache Mann mit Herz und Humor. Für alle, die keine Lust haben, mit Kulturerwerb und Kochkursen den sozialen Abstieg zu verhindern oder den Aufstieg vorzubereiten, ist das eine beruhigende Botschaft: Da weiß man, was man hat.

Die Welt ist ohnehin schon kompliziert genug, da will man nicht auch noch beim Lachen ständig nachdenken müssen. Da ist "Männersache" gerne behilflich und setzt auf Verlässliches: Ab und zu mal eine dicke Frau, einen Affen, einen polnischen Schwarzarbeiter oder einen Mann im Leder-Schwulen-Outfit zeigen, das klappt eigentlich immer.

Hinzu kommen die obligatorischen Gastauftritte von Prominenten; im Fall von "Männersache" sind es Rapper Sido, Regisseur Leander Haussmann - und Komiker Mario Barth, dessen darstellerische Limitationen im Zusammenspiel mit Profis wie Michael Gwisdek oder Jürgen Vogel auffallen, aber den Film keinesfalls schlechter machen als er ist.

Obwohl, das sei zur Ehrenrettung gesagt, es ja auch eine Überraschung gibt. Dieter Tappert, den ein großes Fernsehpublikum als hornbrillenbewehrten Komiker Paul Panzer kennt, erweist sich als richtig guter Schauspieler und ist so etwas wie die melancholische Seele des Films.

"Männersache" möchte nämlich nicht bloß ein Klamauk sein, sondern gibt sich stellenweise als Sozialdrama. Dass Mario Barth mit diesem Größenwahn scheitert, ist fast wieder sympathisch. Ein Fall für das Guinness-Buch ist der Film aber auch so: Einen schlechteren Jerry-Lewis-Doppelgänger hat die Welt noch nicht gesehen.