Jeder weiß, dass die tägliche Sendung für Raab nicht mehr als eine Pflichtübung ist. Leidenschaftslos und unvorbereitet empfängt er seine Gäste, für die er sich keinen Deut zu interessieren scheint. Wieso auch? Schließlich kommen die Stars und Sternchen nur in seine Sendung, um ihre neue CD, DVD oder Fernsehshow zu promoten. Den Umgang mit seinen Gästen könnte man fast schon als rebellisch bezeichnen, doch da Raab auch den Rest der Show mehr oder weniger auf halber Backe absitzt, kann man ihm auch dies nicht wirklich zu Gute halten.
Die Hauptkonzentration scheint für den Moderator darin zu liegen, Werbung für seine Show-Events zu machen. So liefen in der Sendung am Mittwoch Trailer zur großen TV total-Stock-Car-Crash-Challenge, der großen TV-total-Poker-Nacht und auch auf Schlag-den-Raab wurde hingewiesen. Da verwundert es nicht, dass der Zuschauer sich langsam abwendet von der täglichen Sendung. Seit Jahren verzeichnet „TV total“ kontinuierlich sinkende Quoten, Werbepreise mussten herabgesetzt und die Show immer weiter in die Nacht geschoben werden.
Okay, so weit zu den altbekannten Fakten. Das Neue und Paradoxe an der Situation ist: Raab ist mit „TV total“ für ProSieben im Moment so wichtig wie seit Jahren nicht mehr. Der Sender befindet sich in einer kleinen Krise. So gut es für die Münchner am Tage auch laufen mag, zur wichtigsten Sendezeit, ab 20.15 Uhr, sieht es momentan doch ziemlich mau aus. Alle neuen Formate, die ProSieben in letzter Zeit etablieren wollte, sind gnadenlos gefloppt.
Viele Misserfolge
Die Liste ist lang und zieht sich durch alle Genres. Angefangen von der aufwendig produzierten Abenteuershow „Survivor“, über die Comedy-Formate „Krügers Woche“, „Olm unterwegs“ sowie das jüngst abgesetzte „Extreme Activity“, bis hin zur zweiten Staffel der Fiction-Serie „Alles außer Sex“ – alle Sendungen sind bzw. waren quotentechnisch eine Katastrophe für ProSieben. Hinzu kommt, dass auch die eingekauften US-Serien schwächeln, der „Mystery Montag“ war eine Enttäuschung und auch der Quotengarant „Popstars“ liegt weit unter den Werten der letzten Staffel.
Nach so vielen Hiobsbotschaften wird man beim Münchner Sender mehr als froh über Raabs Rückkehr gewesen sein. Die Quoten von „TV total“ liegen solide über dem Senderschnitt. Tag für Tag schafft es die Show noch immer, vor allem die werberelevante Zielgruppe der 14 bis 49-jährigen vor den Fernseher zu locken. Eine wichtige Konstante für ProSieben. Denn auch andere Sendungen können im Umfeld der täglichen Sendung profitieren.
Manchmal fragt man sich, was passiert wäre, wenn Stefan Raab damals nicht bei ProSieben gelandet wäre. Wie würde der
Münchner Sender heute dastehen, wenn Stefan Raab damals keine Lust mehr auf das Fernsehgeschäft gehabt und wieder als Metzger angeheuert hätte? Was wäre ProSieben heute ohne „TV total“? Ohne seine großartigen Programmhöhepunkte: Wok-WM, Fight-Night, Crash-Challenge, Turmspringen, Eisschnelllauf, Springreiten, Bundesvision Song Contest, die Sondersendung zur Bundestagswahl 2005, SSDSGPS, oder das nun anstehende SSDSDSSWEMUGABRTLAD? Ohne Elton? Ohne Schlag den Raab?
Man kann zu Stefan Raab stehen, wie man möchte, eins ist klar: Kein Sender ist von einem Mann so abhängig wie ProSieben von Raab. Wenn er sich mit Lust und Begeisterung einer Sache widmet, wird sie ein Erfolg! So gesehen sollte ProSieben alles tun, um den Moderator bei Laune zu halten. Gerne auch täglich.




