Der Allesgewinner

"Es gefällt mir riesig, Peter Fox zu sein"

Eigentlich heißt er Pierre Baigorry. Doch als Peter Fox hat sich der Sänger der Berliner Dancehall-Truppe Seeed neu erfunden und solo mit "Stadtaffe" ein Nummer-1-Album hingelegt. Auch beim "Bundesvision Song Contest" und der Echo-Verleihung war Fox der große Abräumer. Morgenpost Online sprach mit dem Senkrechtstarter.

Morgenpost Online: Glückwunsch. Bundesvision Song Contest, Echo Verleihung, Nummer 1 in den deutschen Charts. Wie fühlt man sich als Gewinner?

Peter Fox: Wenn ich nicht für meine Tournee proben müsste, würde ich jetzt eine Woche durchfeiern. Geht aber nicht. Weiterhin möchte ich betonen, dass beruflicher Erfolg zwar sehr schön ist, aber auch nicht per se glücklich macht.

Morgenpost Online: Lange kannte man Sie als Pierre Baigorry, Ihr Rappername bei Seeed wiederum ist Enuff. Nun aber nennen Sie sich Peter Fox. Wieso dieses Namens-Chaos?

Ich heiße Pierre Baigorry, Enuff nenne ich mich schon seit Jahren nicht mehr, das war nur am Anfang. Und Peter Fox ist nun eben mein Pseudonym. Ich wollte für meinen Soloausflug einen Namen, der griffig ist, der sich leicht merken lässt. Fox habe ich wegen meiner roten Haare genommen, "Foxy" ist mein Spitzname.

Morgenpost Online: Und wo wir schon beim Aufklären sind. Warum heißt das Album "Stadtaffe"?

Die Stadtaffen sind wir selbst. Ich bin ein Stadtaffe, du bist ein Stadtaffe, alle meine Freunde sind Stadtaffen. Die Stadt, in meinem Fall ist das Berlin, ist laut, dreckig, stinkt, und überall trittst du in Hundescheiße. Eigentlicht ist das Wahnsinn, dort zu leben. Aber ich liebe das trotzdem.

Morgenpost Online: Sie wohnen in Kreuzberg. Ist es dort besonders stadtaffig?

Allerdings. Eigentlich ist Kreuzberg total grün, aber blöderweise einen Tick zu versifft. Neulich war ich mit meiner Tochter, die ist jetzt vier, auf einem Spielplatz. Und da lag doch tatsächlich eine benutzte Spritze rum. Da hört für mich der Spaß auf. Kreuzberg ist echt angenehm zum Leben, speziell wenn du Künstler bist und nicht das allermeiste Geld hast. Hier gibt es tausend Kneipen, Bars, rund um die Uhr was zu essen. Aber mit Kind ist es schwierig. Die Kleine soll was lernen, und ich weiß nicht, ob das auf Schulen so gut klappt, wo viele Kinder kein Deutsch sprechen und das auch gar nicht wollen. Privatschule? Auch nicht so mein Ding. Das Kind soll mit richtigen Menschen aufwachsen und nicht mit solchen Kohlefreaks.

Morgenpost Online: Im Hit "Haus am See" singen Sie von der Sehnsucht nach dem Landleben. Warum ziehen Sie nicht raus aufs Dorf?

Ich sage in dem Stück ja auch "Hier bin ich geboren, hier werd ich begraben". Ich kann mir nicht vorstellen, aus Berlin wegzugehen, aber wenn mir die Stadt zu rau wird, und ich dringend Harmonie brauche, dann nehme ich Frau und Kind und fahre raus in die Natur.

Morgenpost Online: Hatten Sie für ihre Soloplatte eigentlich den großen Plan in der Tasche?

Den großen Plan gab es, aber von dem ist kaum etwas übrig geblieben. Ich wollte gar nicht selbst singen, ich fand das blöd, schließlich singe ich bei Seeed ja schon genug. Die Idee war, dass Cee-Lo Green singt, auf englisch logischerweise.

Morgenpost Online: Der Sänger von Gnarls Barkley?

Genau der. Wir haben uns mal kennengelernt und gemerkt, dass wir auf einer ähnlichen Welle funken. Als ich dann akut bei ihm anfragte, meinte er, er müsse noch schnell dieses andere Projekt abschließen und dann hätte er Zeit. Tja, und dann ging "Crazy" durch die Decke, und Cee-Lo hatte andere Sachen zu tun als mit diesem Fuzzi aus Berlin zu singen.

Morgenpost Online: Und dann haben Sie doch selbst gesungen.

Ja. Irgendwann hatte ich genug Abstand zu mir selbst und auch wieder Lust zum Singen und Selbertexten. Es war dann halt auch eine anständige Herausforderung, eine ganze Platte auf Deutsch zu machen, die tanzbar ist und ein bisschen Anspruch hat.

Morgenpost Online: Tanzbar mit Anspruch?

Was ich wollte, war ein gewisser Stil. Eine Stimmung, die es so noch nicht gab. Pop mit deutscher Sprache, aber coolen Pop. Kein Gelaber. Diesen ganzen Reggae und Dancehall, den wir bei Seeed machen, den ließ ich bewusst weg. Man erkennt natürlich Seeed-Wurzeln, weil meine Stimme und meine Art zu singen halt so sind wie sie sind. Aber mir war wichtig, das ganze clubtauglich zu machen. Aber auch ein Orchester dabei zu haben. Die Platte sollte vor allem verdammt groß klingen.

Morgenpost Online: Sie haben früher selbst im Orchester gespielt?

Klar. Schönower Posaunenchor. Ich war das Waldhorn. Außerdem habe ich so eine richtige klassische Musikausbildung, damit wollte ich mal ein bisschen angeben (lacht).

Morgenpost Online: Konzentrieren Sie sich jetzt auf die Solokarriere oder geht es auch weiter mit Seeed?

Sowohl als auch. Es gefällt mir riesig, Peter Fox zu sein. Das werde ich auch weiterverfolgen, zunächst jetzt mal mit sehr viel Spaß und Schweiß auf der Bühne. Aber im Sommer treffen wir uns mit Seeed wieder, und dann wollen wir mal gucken, dass wir eine neue Platte auf die Beine gestellt kriegen.

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