Neu auf CD

Dellé von Seeed pflegt den Reggae werktreu

Deutsche Musiker sind fleißig: Dellé von der Band Seeed produziert werktreuen Reggae, Virginia Jetzt! spielen strunznaive Lieder, und Panzerballett zerschreddern heimisches Liedgut. Obendrein gibt es Unterirdisches für die Fantastischen Vier. Morgenpost Online bespricht die Platten der Woche.

Foto: Felix Broede/WARNER MUSIC

Dellé: Before I Grew Old (Downbeat)

Nur noch eine Woche, ein Konzert in Hamburg, dann ist Peter Fox Geschichte. Er will nicht so enden wie Horst Schlämmer. Als Figur, die sich verselbständigt und ihren Darsteller in peinliche Situationen bringt: ins Kanzleramt oder zu Preisverleihungen und Hitparaden. Deshalb hört Pierre Baigorry auf, Peter Fox zu sein. Er kehrt zu Seeed zurück, zu Frank Dellé und all den anderen. Dellé hat das Sabbatical der Gruppe ebenfalls genutzt, um etwas Eigenes aufzunehmen. Er hätte sich auch Rob Harley nennen können oder König Tubby. Hat er aber nicht. Dellé bleibt schlicht Dellé, ein in Berlin geborener Deutsch-Ghanaer, der den Reggae möglichst ursprünglich und werktreu pflegt wie ein gefährdetes Kulturgut. Damit wird ihn niemand mit ihm selbst verwechseln.

3 von 5 Punkten

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Culcha Candela: Schöne Neue Welt (Homeground)

Während Seeed sich ihre Auszeit gönnen, schlafen ähnliche Berliner Gruppen nicht. Culcha Candela eifern Seeed am auffälligsten nach, als kindgerechtere Vertretung. „Hamma!“ ist noch nicht vergessen, da folgt bereits „Somma!“ Demnächst kehren Seeed aber zurück.

1 von 5 Punkten

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Ohrbooten: Gyp Hop (JKP)

Berlin war, selbst im Sommer, früher eine herrlich unterkühlte Stadt. Was war zuerst da? Die entnervende Freundlichkeit, die Wärme, die Musik der Ohrbooten, ihr sogenannter Gyp Hop? Da kommt einiges zusammen: Selbstbewusste Straßenmusiker, die einerseits die Stadt als Mittelpunkt der Welt begreifen, andererseits als Tor zum Balkan. Ab November wird es wieder angenehmer.

1 von 5 Punkten

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Virginia Jetzt!: Blühende Landschaften (Motor)

20 Jahre nach dem Mauerfall blühen also die Landschaften, die Mauer in den Köpfen ist gefallen. Endlich frohe Botschaften. Virginia Jetzt!, eine aus Esterwerda stammende Berliner Band, wollte nicht ewig strunznaive Lieder spielen wie in den vergangenen zehn Jahren. Sie hat Stefan Zauner eingeladen von der Münchner Freiheit. So vereint das junge Brandenburg sich mit dem alten Bayern. Nico Skrotzki singt, und Stefan Zauner unterstützt ihn: „Das hier ist nicht Hollywood, Berlin ist nicht L.A.“ Die Band spielt heute strunznaive Lieder, die jetzt allerdings nach Schlagern klingen, deren Produzenten eigentlich die Beatles mögen, Soul und Hollywood.

0 von 5 Punkten

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Panzerballett: Hart Genossen (Act)

So geht es selbstverständlich auch. Der Gitarrist Jan Zehrfeld mischt die übliche Bravourmusik, den Metal und den Jazz, um Liedgut zu zerschreddern, gern auch deutsches. Diesmal opfert sein Ballett Nicole, Klaus Doldinger und Rammstein.

4 von 5 Punkten

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A Tribute To Die Fantastischen Vier (Columbia)

Nichts gegen vier rappende Schwaben fortgeschrittenen Alters. Aber das haben sie nicht verdient: Sie werden von Xavier Naidoo geehrt wie von Knorkator, von den Puhdys und den Fehlfarben, von Peter Maffay, Mario Barth und Scooter. Gut und Böse liegen friedlich beieinander. Die versöhnte Pop-Nation hat ein Gesicht: Es blickt einem von der CD entgegen und gehört Andreas Läsker, dem gemütlichsten Juroren der DSDS-Geschichte, auch als „Bär“ bekannt.

1 von 5 Punkten

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5 Punkte: Meilenstein

4 Punkte: Sehr empfehlenswert

3 Punkte: Solide

2 Punkte: Eher schwach

1 Punkt: Ziemlich missraten

0 Punkte: Totales Desaster