Der australische Regisseur Barrie Kosky ist vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) offiziell als neuer Intendant der Komischen Oper in Berlin vorgestellt worden. Er wird Andreas Homoki ablösen, der ab 2012 an das Opernhaus Zürich wechselt und dort die Intendanz von Alexander Pereira übernimmt. „Der reibungslose Wechsel an der Komischen Oper wird das Haus auf der Erfolgsspur halten“, sagte Wowereit, der auch das Amt des Kultursenators wahrnimmt. „Er zeigt aber auch, wie attraktiv Berlin international als Opernstadt heute ist.“ Homoki kündigte am gleichen Tag in Zürich an, er wolle den hohen künstlerischen Standard des Zürcher Opernhauses halten und weiterentwickeln und ihm „absolute Priorität“ einräumen.
Barrie Kosky gehört zu den profiliertesten Opernregisseuren der jüngeren Generation. Der 1967 in Melbourne geborene Australier galt lange Zeit als „enfant terrible“ der australischen Kunstszene. Er hat auch für das Theater gearbeitet und Festivals organisiert. Für eine sechsstündige Bühnenfassung von Ovids „Metamorphosen“, bei der Kosky Autor, Regisseur, Musikchef und Pianist war, wurde er 2006 mit dem renommierten Theaterpreis der Stadt Sydney ausgezeichnet.
Mit dem Weggang Homokis stünden alle drei Berliner Opernhäuser demnächst vor einem personellen Neuanfang in der Führung, falls auch der Vertrag der Intendantin der Deutschen Oper, Kirsten Harms, über 2011 hinaus nicht verlängert wird, worüber in kulturpolitischen Kreisen in Berlin zurzeit spekuliert wird. Erst kürzlich hatte der Intendant der Staatsoper Unter den Linden, Peter Mussbach, seinen Stuhl vorzeitig geräumt.
In seiner Heimat machte sich Kosky, den oft ein Dreitagebart ziert und der gerne in Turnschuhen und weiten Hosen auftritt, vor allem als Erneurer des Theaters einen Namen. Dazu verhalfen Inszenierungen unter anderem von Senecas „Oedipus“ und O'Neills „Mourning becomes Electra“ oder den Opern „Nabucco“, „Der Fliegende Holländer“ und „Wozzeck“ in Sydney. Von 1990 bis 1997 war er künstlerischer Leiter der jüdischen Gilgul Theater Company, 1996 übernahm er die Leitung des Adelaide Festivals.
Sein europäisches Debüt gab Kosky 2003 an der Komischen Oper Berlin mit einer hochgelobten Inszenierung von Ligetis „Le Grand Macabre“. International gefeiert wurde auch eine Produktion von Claudio Monteverdis „Orfeo“ mit René Jacobs bei den Innsbrucker Festwochen, die danach an der Berliner Staatsoper gezeigt wurde. Im kommenden Jahr beginnt Kosky mit seiner Inszenierung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ in Hannover.
In seiner Arbeit verzichtet Kosky zwar nicht auf einfache Aktualisierungen, wie in seiner „Iphigenie“-Produktion für die Komische Oper deutlich wurde, die er im irakischen Gefängnis von Abu Ghoreib spielen ließ. Gelobt wird aber Kosky auch für seine analytische Durchdringung und seine Spiellust, wie jüngst in Cole Porters Musical „Kiss me, Kate“ an der Komischen Oper zu erleben war. Der Regisseur lebt heute in Wien, wo er von 2001 bis 2006 gemeinsam mit Airan Berg künstlerischer Leiter des Schauspielhauses Wien war.
Homokis Vertrag in Berlin war erst im vergangenen November in Anwesenheit Wowereits bis zur Spielzeit 2013/2014 verlängert worden. Dabei hatte Kulturstaatssekretär Schmitz von einer „guten Entscheidung zur richtigen Zeit“ gesprochen. Die Komische Oper habe sich in den vergangenen fünf Jahren unter seiner Leitung zu einem der profiliertesten Opernhäuser im deutschsprachigen Raum entwickelt. So war die Oper 2007 von Kritikern zum Opernhaus des Jahres gekürt worden. Homoki war 2002 als Nachfolger von Harry Kupfer als Chefregisseur der Komischen Oper und ab August 2004 auch als Intendant verpflichtet worden.




