Berliner Bühnen

Opern-Intendant verzweifelt gesucht

Klaus Wowereit sucht gleich zwei Opern-Intendanten. Ein Nachfolger für Staatsoper-Chef Peter Mussbach ist noch nicht gefunden. Alle Kandidaten winkten ab. Denn Generalmusikdirektor Daniel Barenboim gilt als der eigentliche starke Mann. Auch die Intendanz an der Deutschen Oper ist vakant. Nur hat Kirsten Harms niemand mitgeteilt, dass ihr Vertrag nicht verlängert wird.

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Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kümmert sich nicht nur in der Hauptstadt um die Kultur: Als Bevollmächtigter der Bundesregierung für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen weilte er auf einer zweitägigen Konferenz in Avignon - das dürfte angenehmer gewesen sein als die Anwesenheit im Kulturausschuss.

Denn dort stand am Montag mit der Debatte über die rückläufige Auslastung der Deutschen und der Komischen Oper und der Volksbühne ein unangenehmes Thema an. Außerdem hatte am Wochenende die Meldung, dass Wowereit jetzt zwei Opern-Intendanten sucht, für Diskussionsstoff gesorgt. Zumal schon die Suche nach einem Nachfolger für den im Frühjahr geschassten Staatsopern-Chef Peter Mussbach bislang erfolglos verlief. Gefragt wurden einige, abgewinkt haben offenbar alle.

Unklare Machtverhältnisse

Das soll an den finanziellen Vorstellungen der Kandidaten liegen, aber auch daran, dass die Rolle des neuen Chefs etwas unklar ist: Denn Generalmusikdirektor Daniel Barenboim gilt als der starke Mann der Staatsoper. Er hat seinen Teil dazu beigetragen, dass Mussbach die Brocken hinwarf und war auch bei der Ablösung von Mussbachs Vorgänger Georg Quander nicht ganz unbeteiligt. Wenn jetzt hochkarätige Kandidaten für die Nachfolge Mussbachs gefragt werden, wollen die schon wissen, wer letztlich im Haus über den Einsatz der Ressourcen entscheidet. Und ob sie bei einem hausinternen Konflikt mit Rückendeckung vom Regierenden rechnen können.

Während die Suche nach einem Mussbach-Nachfolger kein Geheimnis ist, ist die Neubesetzung der Intendanz der Deutschen Oper offiziell noch kein Thema, obwohl es schon entsprechende Anfragen gab. Weil aber weder Wowereit noch Kulturstaatssekretär André Schmitz der Intendantin Kirsten Harms bislang persönlich mitgeteilt haben, dass ihr 2011 auslaufender Vertrag nicht verlängert werden soll, gibt es keine offizielle Bestätigung. Eine Situation, die an Peter Mussbach erinnert. Da stand ebenfalls ein Gespräch über die Vertragsverlängerung an. Dann kam es zum großen Knall, dann war der Intendant weg - und das Gespräch hinfällig.

Angesichts der schwierigen Suche nach zwei Opern-Intendanten, eine Generalintendanz hat Schmitz gestern am Rande der Kulturausschusssitzung ausgeschlossen, will sich offenbar die Verwaltung nicht auch noch mit Auslastungsproblemen herumschlagen. Also verweist André Schmitz darauf, dass die Zahlen des Wirtschaftsplanes nicht so dramatisch vom Ist-Zustand abwichen und die Opern bis Jahresende noch Zeit hätten, ihre eigenen Vorgaben zu erfüllen. Dabei sind die Rückgänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eigentlich beängstigend: So verkaufte die Komische Oper im ersten Halbjahr 2008 im Vergleich zu 2007 rund 11 000 Karten weniger, die Auslastung sank auf 57 Prozent. Bei der Deutschen Oper liegt sie bei 61,7 Prozent, die Zahl der abgesetzten Tickets ging um rund 6000 auf 114 000 zurück.

Nachdem die Morgenpost die Zahlen vor einigen Wochen veröffentlicht hatte, gab es viele Leserzuschriften. Zwei zentrale Gründe für eine Zurückhaltung beim Opernbesuch wurden dabei genannt: Die gestiegenen Kartenpreise und Inszenierungen, deren Konzept sich dem Publikum nicht wirklich erschließt.

Die Volksbühne wird saniert

Rückläufige Kartenverkäufe beschränken sich aber nicht auf die Oper. Unter den Theatern ist die Volksbühne besonders betroffen. "Das Haus ist in einer künstlerischen Krise", räumte Schmitz ein. Er habe mit Intendant Frank Castorf, dessen Vertrag im Sommer bis 2013 verlängert wurde, darüber geredet, dass die Kartenverkäufe wieder gesteigert werden müssten.

Im kommenden Jahr freilich dürfte das schwierig werden, weil die Volksbühne für acht Monate geschlossen wird. Von Mitte März bis Ende Oktober sind Sanierungsarbeiten geplant, erst ab Mitte November 2009 soll wieder gespielt werden, wie Verwaltungsdirektorin Gabriele Gornowicz gestern auf Anfrage sagte. Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen die Bühnentechnik und der Zuschauerraum, der künftig eine Belüftungsanlage bekommen soll. Eine vergleichbare Sanierung findet derzeit am Deutschen Theater statt, wo sich die Arbeiten nach den Asbestfunden allerdings um Monate verzögern.

Aber selbst wenn die Sanierung der Volksbühne nach Plan verläuft, kann das Haus in dieser Zeit viel weniger Plätze anbieten als im normalen Spielbetrieb. Zwar wird der Prater, der gerade saniert wird, während der Volksbühnen-Sanierung wieder einigermaßen bespielbar sein, aber dort gibt es maximal 400 Plätze. Und nur 350 bietet die geplante Spielstätte direkt vor der Volksbühne. Treppe und Säulen sollen dort im Rahmen eines Antike-Projektes zur Bühne werden, die Zuschauer sitzen dann gegenüber auf einer Tribüne, die allerdings nicht überdacht ist. Deshalb hofft die Volksbühne auf schönes Wetter für den Behelfsspielbetrieb zwischen Mitte Mai und Mitte Juli. Vielleicht kann die Senatskulturverwaltung helfen.