Kommentar

Ihre Flexibilität macht Berlins Freibäder erfolgreich

Der Erfolg der Berliner Freibäder in diesem Jahr ist kein Zufall, meint Katrin Lange. Das neue Konzept kommt an.

Drei Wetter-Apps hat Annette Siering, derzeit amtierende Vorständin der Berliner Bäderbetriebe. Zu Hause werde sie schon für leicht gestört gehalten, erzählt sie bei der Präsentation der Sommerbilanz. Tag für Tag muss sie auf Sonnenschein und Regen reagieren, zusätzliches Personal bei Hitze ordern oder Bäder auf Sparflamme fahren, wenn die Regentropfen in den Pfützen Blasen schlagen. Letzteres ist im Mai und Juni regelmäßig vorgekommen. Annette Siering sah das diesjährige Badegeschäft schon ins Wasser fallen. Dass sie schließlich nicht nur aufholen, sondern auch noch das Vorjahresergebnis übertreffen konnte, liegt nicht nur an den Hitzerekorden im Juli und August. Mit 2,7 Millionen Gästen in dieser Sommersaison hat sie die Bilanz von 2014 um fast 27 Prozent übertroffen. Das liegt auch an ihren drei Wetter-Apps und einem neuen Konzept.

Die Frage war: Wie kann sie mit den begrenzten Haushaltsmitteln, die ihr zur Verfügung stehen, mehr Besucher in die Bäder locken, um so die Einnahmenseite zu verbessern? Die Antwort darauf: Sie hat es ihren Badleitern freigestellt, bei schönem Wetter die Freibäder länger offen zu lassen. So hatten auch noch Berufstätige nach Feierabend die Chance, ins Schwimmbecken oder in den Wannsee zu springen.

Nicht jedem Mitarbeiter der Bäderbetriebe hat das gefallen. Für sie hieß das, genau so flexibel wie ihre Chefin auf das Wetter zu reagieren und auch einmal Überstunden zu machen, wenn andere den Sonnenuntergang genießen. „Es lief noch nicht alles rund“, gibt Annette Siering jetzt am Ende des Sommers zu. Aber der Versuch hat sich gelohnt, das zeigen die steigenden Besucherzahlen. Flexibilität zahlt sich aus.

Die Bäderbetriebe müssen auf ihre Zielgruppen reagieren, auf die Frühschwimmer, die Familien mit kleinen Kindern und die Spaß suchenden Teenager. Sie alle brauchen attraktive Angebote, damit sie sich auf den Weg ins Schwimmbad machen und ihre Freizeit im Becken, auf der Rutsche oder in der Sauna verbringen und dafür eine Eintrittskarte kaufen. Das neue flexible Sommer-Öffnungsmodell könnte ein Anfang sein, um die Bäderlandschaft für die Berliner wieder interessanter zu machen.