Sommer-Bilanz

Lohnender Sommer: 26 Prozent mehr Gäste in Berlins Bädern

Ein Besucher-Plus von 26,8 Prozent vermelden die Berliner Bäderbetriebe. Für zwei Bäderneubauten sind erste Planungen abgeschlossen.

Auszubildende der Berliner Bäderbetriebe genießen ihren Arbeitsplatz (Archivbild)

Auszubildende der Berliner Bäderbetriebe genießen ihren Arbeitsplatz (Archivbild)

Foto: Hannibal Hanschke / picture alliance / dpa

Bei den Berliner Bäderbetrieben gibt es in diesem Jahr eine klare Monatsbewertung. „Mai und Juni waren eine blanke Katastrophe, der Juli lag im Soll und der August war der krönende Abschluss“, sagt Annette Siering vom Vorstand. Sie legte am Montag die Besucherzahlen der diesjährigen Saison vor. Der ehemaligen Chef der Bäderbetriebe, Ole Bested Hensing, hat das Unternehmen Ende Juni verlassen, sein Posten ist ausgeschrieben. Siering konnte gute Zahlen gerade für die Freibäder vermelden. Dem Wetter sei Dank.

Allein im August kamen 940.000 Gäste in die Berliner Bäder. Siering spricht von einem „fulminanten Höhepunkt“. Nach dem verregneten und kalten Start im Mai habe sie schon Sorge gehabt, ob sie mit ihrem Haushalt über die Runden komme. Aber bereits im Juli konnten die Bäderbetriebe aufholen. Rekordverdächtig war das erste Wochenende des Monats, an dem allein 180.000 Besucher in den Bädern Abkühlung suchten.

Das warme Wetter im Juli und August konnte nicht nur die geringen Besucherzahlen im Mai und Juni ausgleichen – es hat auch die Bilanz gerettet. 2,7 Millionen Badegäste wurden seit dem 1. Mai in den Bädern gezählt, das sind 574.000 mehr als im vergangenen Jahr. Die Steigerung um 26,8 Prozent wird auch darauf zurückgeführt, dass die drei Freizeitbäder am Kreuzberger Spreewaldplatz, in Schöneberg und Lankwitz ohne Unterbrechung in Betrieb waren. Allein in die Freibäder kamen sogar fast 36 Prozent mehr Badegäste. Das beliebteste Sommerbad ist das Kreuzberger Prinzenbad.

Multifunktionsbäder in Pankow und Mariendorf geplant

„Ich bin zuversichtlich, dass wir am Jahresende die schwarze Null erreichen“, sagt Annette Siering. Mit 45 Millionen Euro für die Betriebskosten werden die Bäderbetriebe im Jahr 2015 vom Land Berlin unterstützt, weitere fünf Millionen Euro stehen für Investitionen zur Verfügung. 2016 bekommen die Bäderbetriebe einen Zuschuss von 49 Millionen Euro, also vier Millionen Euro mehr aus dem Landeshaushalt. Dazu kann das Unternehmen im kommenden Jahr noch mit sechs Millionen Euro aus Bundesprogrammen rechnen.

Das gute Resultat dieses Sommers führen die Bäderbetriebe auch auf einige Neuerungen zurück. So hatten die Badleiter in diesem Jahr freie Hand beim Einsatz des Personals und konnten selbst entscheiden, ob sie die Bäder bei schönem Wetter ein bis zwei Stunden länger offen lassen. Die Mitarbeiter können die Überstunden abbummeln oder sich auszahlen lassen. Das neue Modell habe für Zuspruch, aber auch für Unruhe gesorgt, sagt Siering. Nicht alle Mitarbeiter hätten gejubelt, viele aber Verständnis gezeigt.

Auch die Sommer-Mehrfachkarte, die es zum ersten Mal in diesem Jahr gab, kann das Unternehmen als Erfolg verbuchen. Insgesamt sind 11.000 Karten verkauft worden, davon 8400 vor Saisonstart zu einem besonders günstigen Vorverkaufspreis von 50 Euro für 20 Eintritte. Mit 2,50 Euro kostete der Badbesuch damit weniger als die Hälfte des regulären Tarifs von 5,50 Euro.

Doch allein mit diesen Aktionen lassen sich die Bäder nicht füllen. „Wir brauchen neue Multifunktionsbäder, in denen viele Interessen bedient werden“, sagt Annette Siering. Sportschwimmer, Familien und Kinder sollen sich künftig in den beiden neuen Bädern in Mariendorf und Pankow wohlfühlen. Die ersten Schritte für den Bau der neuen Bäder sind getan: Der Bedarfsplan wurde bestätigt, jetzt müssen die baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. 60 Millionen Euro stehen aus dem Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt (Siwa) für die Bäder bereit.

Lange Becken für die sportliche Nutzung

In Mariendorf wird die Sportnutzung mit dem Bau eines 50-Meter-Beckens etwas mehr im Vordergrund stehen. In Pankow ist ein 25-Meter-Becken geplant. In den Freizeit- und Wellnessbereichen sind beide Bäder mit Rutschen, Sprudelliegen und Saunen ausgestattet. An beiden Standorten sollen die Gäste künftig das ganze Jahr über draußen schwimmen können. Die reine Bauzeit für die neuen Anlagen betrage etwa 24 Monate, schätzt Annette Siering. Dennoch rechne sie nicht vor 2021 mit der Eröffnung der Bäder. „Die Abstimmungsprozesse mit den Fachabteilungen in den Bezirken und beim Senat nehmen viel Zeit in Anspruch“, so die amtierende Chefin. Im Gespräch waren ursprünglich vier Standorte für neue Freizeitbäder, darunter einer im Tierpark in Friedrichsfelde. Mit dem Kollegen aus dem Tierpark sei man weiterhin im Gespräch, sagt Siering. Man habe sich aber noch nicht auf diesen Standort festgelegt.

Die Bäderbetriebe beziffern ihren Sanierungsstau auf 93 Millionen Euro. Der soll nach und nach abgebaut werden. Die nächsten Arbeiten erfolgen im Stadtbad Tiergarten, im Kreuzberger Bad am Spreewaldplatz und im Paracelsusbad in Reinickendorf. Ende September beginnt die Beckensanierung im Sommerbad Olympiastadion. Es soll rechtzeitig im Juni 2016 wieder öffnen. Die Thomas-Mann-Schwimmhalle in Prenzlauer Berg, die aktuell saniert wird, soll 2017 fertig sein.