Fünfmal werden wir noch wach, heißa, dann ist es endlich wieder so weit. Große Kinderaugen, emsige Erwachsene, leuchtende Fenster, alle mittendrin im großen Weihnachtsglück. Ach so, Sie haben jetzt nicht an Heiligabend gedacht, oder? Ich meinte natürlich den letzten großen Feiertag in diesem Jahr, den verkaufsoffenen Sonntag am vierten Advent.
Dieser Tag ist für mich eigentlich das wahre Weihnachten: Wünsche gehen in Erfüllung (man findet endlich doch noch ein Geschenk für die Schwiegereltern), alle sind in freudiger Erwartung (die Schwiegereltern ahnen ja noch nicht, dass man nach vier Stunden Schieben und Drängeln aus lauter Verzweiflung eine Bücherstütze in Form einer Porzellanente gekauft hat), die Menschen beten zu Gott (dass er sie heil aus dem Gedränge rausholen möge) und niemand, wirklich niemand, muss allein sein.
Schade, dass ich meine Geschenke in diesem Jahr alle schon besorgt habe.
Aber ich hatte in den Warenhäusern dieser Stadt auch meinen Spaß. Ich mag ja diese anpackenden, fast mütterlichen Verkäuferinnen, die ihre an einer Kette baumelnde Lesebrille auf die Nase setzen und einem genau das heraussuchen, was man haben will. Also ging ich auf eine zu und fragte, ob es diese Jacke wohl noch in L gäbe. Doch die Verkäuferin, ganz ohne Lesebrille, zuckte mit den Achseln. „Tut mir leid“, sagte sie, „ich bin heute nur für Marke XY hier.“ Irritiert suchte ich selbst, fand natürlich nichts und strandete in der Parfümabteilung. Aber dort dasselbe: „Ich mache nur Gesichtscremes von Soundso, mit dem Rest kenne ich mich nicht aus.“ „Und wer kann mich bei diesen Produkten beraten?“ „Das weiß ich nicht, aber möchten Sie bei mir mal schnuppern?“
Am besten aber hat mir die Elektroabteilung gefallen. „Hallo, ich suche Boxen für meinen Laptop.“ „Gerne, welche Marke?“ „Mal sehen, welche ist denn gut?“ „Keine Ahnung, ich bin keine Verkäuferin, ich übergebe Sie nur dem entsprechenden Markenverkäufer.“ „Äh, okay, dann teste ich mal Firma XY.“ „Tut mir leid, der Kollege ist gerade zur Pause.“ „Dann Firma XYZ?“ Zehn Minuten später kam der Mann von Firma XYZ, ich trug mein Anliegen erneut vor. Der Mann guckte unsicher. „Ich weiß gar nicht, was wir davon hier haben. Ich bin sonst in einer anderen Filiale. Warten Sie, ich frage mal jemanden.“


