Es ist zu schön. Die Sonne scheint, die Menschen auf der Straße sind gut gelaunt, sie lächeln sich an, verschwörerisch irgendwie, weil sie nicht zu all denen gehören, die jetzt im Büro sitzen müssen. Auch die Kellnerin macht einen fröhlichen Eindruck, wie sie die Tabletts voll Latte macchiato und Pfirsichtarte nach draußen trägt. Ach, und guck mal, ein letzter Tisch vor dem Lieblingscafé ist auch noch frei.
Nur dem kleinen Paul gefällt das alles überhaupt nicht. Kaum ist sein Kinderwagen nach großer Einparkaktion mit Verrücken der Tische, Umstellen der Stühle und Prüfen des Sonneneinfallwinkels zum Stehen gekommen, fängt er an zu heulen. Pauls Mutter versucht es mit dem Buggy, Rückenlehne nach hinten, Verdeck vor, Lammfell glatt gezogen, Rückenlehne wieder nach vorne, doch der Kleine schreit weiter. Ablenkung muss her. Also darf Paul die Speisekarte ansabbern, den Zuckerstreuer auf dem Boden ausleeren, seine Capri-Sonne über den freien Stuhl verteilen und die Blätter der kleinen Tischpflanze ausreißen.
Erst als er den Hund entdeckt, hört Paul auf zu heulen
In der Zwischenzeit bringt die Kellnerin Kekse, füllt den Trinkbecher mit Apfelsaft, holt einen Plastiklöffel für die Karottensuppe, anschließend einen Strohhalm und dann noch mal einen Becher (wobei sie auf dem Gehweg fast von einer anderen Mutter mit ihrem Kastenfahrrad angefahren wird), damit Pauls Mutter ihn nicht füttern muss, sondern er die Suppe über den Tisch pusten kann.
Zu heulen hört Paul aber erst für einen Moment auf, als er den kleinen Hund am Nachbartisch entdeckt. Den seine Besitzerin in einem Tragetuch vor der Brust trägt. Und der zu bellen beginnt, als eine weitere Mutter mit dem Rad vorbei kommt, gefolgt von ihrer kleinen Tochter auf dem Laufrad, die böse von ihrem großen Bruder auf seinem Puki-Rad angetrieben wird („Lauf, du lahme Ente, hopp, hopp“) und deshalb fast genauso laut weint wie Paul. Außerdem ist da noch die Frau, die mit ihrem Handy telefoniert und nicht merkt, dass die Freisprechfunktion eingeschaltet ist.
Das ist dann auch den beiden Babys links von Paul zu viel, die bis dahin friedlich auf den Schößen ihrer Mütter gesessen hatten. Selbst die Kellnerin traut sich nicht mehr nach draußen.
Morgen geht’s wieder ins Büro. Auch schön.





