Da muss man nur eben bei Kaiser’s an der Greifswalder fettarme H-Milch und eingeschweißten Gouda kaufen gehen, schon steht man neben Daniel Brühl an der Kasse. Auf dem Rückweg laufen einem zwischen Bötzowviertel und Kollwitzplatz fast Matthias Schweighöfer und Anna Maria Mühe vors Fahrrad, und am Abend schnappt einem Benno Fürmann beim Italiener an der Winsstraße den letzten Tisch weg.

Soweit nur das Sonnabendprogramm aus Prenzlauer Berg. In Berlin muss man keinen Fernseher haben, um Schauspieler zu sehen. Hier laufen so viele durch die Straßen, dass man sich mitunter wünscht, abschalten zu können. Allein in der Straße meines besten Freundes in Wilmersdorf wohnen drei „Tatort“-Kommissare – der fühlt sich regelrecht beschattet.

Dann doch lieber am roten Teppich auf Promijagd gehen. Die Kunstfaser-Auslegware an sich hat ja mehr Glamour als ein Schauspieler, der gerade dreilagiges Klopapier kauft. Zudem winken die Stars dort immer so freundlich – anders als im Hausflur von einer Freundin von mir, wo eine frühere Gewinnerin der Goldenen Kamera, die dort im obersten Stock wohnt, noch nicht mal ein einfaches Hallo über die Lippen bringt. Mit George Clooney würde einem das nicht passieren, der hätte vermutlich direkt zur Polonaise durch den Innenhof geladen.

„Die nette Hilda Schwingten“

Aber eigentlich ist es auch ganz egal, wer da irgendwann über den roten Teppich laufen wird, denn wie sich bei einem kurzen Feldversuch herausgestellt hat, wissen 40 Prozent der Schaulustigen gar nicht, auf wen sie eigentlich warten. In Berlin ist das gerade ein bisschen so, als ob jemand auf der Straße stehen bleibt und in den Himmel guckt – man guckt halt einfach mal mit.

Mit den Namen dieser Hollywood-Menschen ist das doch eh so eine Sache, da hilft es auch nichts, dass „die nette Hilda Schwingten“ ihren so fleißig auf Autogrammkarten geschrieben hat. Aber wie will man bei 2500 Quadratmetern roten Teppichs auch den Überblick behalten. Das zuständige Messebau-Unternehmen ist übrigens verpflichtet, den Teppich nach der Berlinale „komplett und vor allem umweltgerecht“ zu entsorgen. Schade, dass diese Regel nicht auch für ausgestiegene Berliner Soap-Darsteller gilt.