Warum hängen in der U-Bahn eigentlich nur Plakate, auf denen für klinische Studien geworben wird? Auf jeder freien Werbefläche werden mittlerweile Probanden für Tests mit „noch nicht zugelassenen“ Medikamenten gesucht.
Wer also das Pech hat, nicht auf sein iPhone gucken zu können, weil der Akku gerade mal wieder Besseres zu tun hat, beschäftigt sich zwischen Wittenbergplatz und Eberswalder Straße unfreiwillig mit Haarausfall, atopischer Dermatitis, chronischem Raucherhusten und schmerzhaftem, unregelmäßigem Stuhlgang.
Um das Kopfkino nicht unnötig herauszufordern, habe ich die Augen geschlossen und versucht, an etwas anderes zu denken. Was natürlich nicht funktioniert hat, also habe ich weiter über klinische Studien nachgedacht: Ist Berlin nicht das ideale Forschungsfeld, um die menschliche Evolution mit Hilfe der hier gewonnen Erkenntnisse ihrem Höhepunkt entgegenzuführen?
Anhand von Berliner Probanden könnten Forscher zum Beispiel entschlüsseln, welche Gene es dem Menschen ermöglichen, 20 Minuten auf 20 Quadratzentimetern eingequetscht ohne Sauerstoff zu überleben (Versuchsaufbau: S-Bahn zur Rushhour).
Oder Antworten auf andere drängende medizinische Fragen finden: Wie entsteht Sojamilchintoleranz? Ist Unfreundlichkeit ansteckend? Warum wachsen Ostberlinerinnen jenseits der 50 lilafarbene Haarsträhnen? Führt das Berliner Leitungswasser zu übermäßigem Bartwuchs? Bilden sich bei Hauptstädtern, die im Fitnessstudio trainieren, neben Muskeln automatisch Tätowierungen?
Ist es genetisch bedingt, dass Menschen, wenn ihnen selbst kalt ist, ihren Hunden Jäckchen überziehen? Was passiert in menschlichen Gehirnen, wenn Schwarmintelligenz in Schwarmblödheit umschlägt? Ist der Mensch dazu verdammt, ein Herdentier zu sein? Gibt es eine Jutebeutelallergie? Inwieweit beeinflusst exzessive Handystrahlung das Verlangen, ein Volksbegehren zu starten? Machen Bioprodukte arrogant? Wie entsteht ein Baustellen-Syndrom? Ist sexuelle Unzufriedenheit übertragbar? Ist ein Leben ohne Burnout noch lebenswert? Wie viele bittere Pillen kann ein Mensch schlucken?
Und was tun, wenn’s mal wieder keinen juckt?


![Ein kleines Kind betrachtet auf einem iPad mit seiner Mutter ein Bild, dass es mit seinen Fingern auf dem Display vergrößern kann. Foto: Waltraud Grubitzsch [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ] Ein kleines Kind betrachtet auf einem iPad mit seiner Mutter ein Bild, dass es mit seinen Fingern auf dem Display vergrößern kann. Foto: Waltraud Grubitzsch [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ]](https://img.sparknews.funkemedien.de/122763761/122763761_1423605661_v16_9_1200.jpeg)

