Ich baue mir das Kapitol. Das Parlament der Vereinigten Staaten aus Lego-Steinen. In diesem Gebäude die beiden Kammern des US-Parlaments. Dort herrschte Demokratie, als die Deutschen unmündige Untertanen eines Kaisers waren. Im Kapitol herrschte Demokratie, als sich die Deutschen einen Massenmörder zum Anführer wählten. In diesem Gebäude in Washington D. C. wurde demokratisch entschieden, dass dem Faschismus in Deutschland und Europa ein Ende gemacht werden soll. Ich setze Stein auf Stein meines Kapitols und vergesse, wie sich eine ARD-Moderatorin über den orangefarbenen US-Präsidenten in Rage redete. Aus einigen Gesprächen weiß ich, dass die Kollegin eigentlich mit den USA nicht viel anfangen kann. Jetzt schon. Ob es das Kapitol als Parlament noch gäbe, wenn die amerikanische Demokratie sich in den vergangenen 240 Jahren vor allem auf die Deutschen hätte verlassen müssen? Zumal auch manche Deutsche des 21. Jahrhunderts problematische Favoriten haben. Es gibt einen Staatschef, der andere Staaten besetzt, weil es ihm taugt. In seinem Land schreien sich kritische Journalisten nicht mit einem aggressiven Pressechef an. Sondern sie liegen, wenn es schlecht läuft, tot vor ihrer Wohnungstür.
Eine internationale Untersuchungskommission hat ermittelt, dass mit einer Waffe aus dem Bestand dieses Staatschefs ein voll besetztes Passagierflugzeug vom Himmel geholt wurde. Genau dieser Staatschef hat einem ehemaligen deutschen Bundeskanzler einen hoch bezahlten Job besorgt.
Ein Bekannter, den seine Arbeit als Russland-Berichterstatter unter anderem die Gesundheit gekostet hat, wurde vor ein paar Tagen in Magdeburg von einem Mob ausgebuht. Denn mein Bekannter hatte gewagt, den Putin-Liebkosungen des Russland-Lobbyisten Matthias Platzeck zu widersprechen. Auch mein Lego-Kapitol wird ein schneeweißer Palast. Sobald es fertig ist, kann ich es rücken, wie ich will. Es steht schon lange auf der richtigen Seite.
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