Berlin steht mal wieder die Modewoche ins Haus. Schlecht daran: keine Taxis, keine Plätze im Restaurant, Generve durch blödes Status-Gequatsche von Fashion-People in der U-Bahn. Gut daran: internationales Publikum, Geld kommt in die Stadt, es ist was los, und wenn man sich nicht zu blöd anstellt, gibt es immer irgendwo Champagner. Auch wenn der schon mal mehr in Strömen floss.
Die Zeichen stehen auf Umbruch, Berlin kuschelt mittlerweile lieber mit der Start-up-Szene, Mode scheint nicht mehr so hip zu sein. Einige wenige schaffen es trotzdem. Während die Premium immer weiter floriert und sich jedes Jahr dank Anita Tillmann neu erfindet, musste der bisherige Platzhirsch der Branche in dieser Saison sein Konzept deutlich zusammenschrumpfen. Karl-Heinz Müller, Meister der „Bread & Butter“, hat sich mit einigen Getreuen zurückgezogen und veranstaltet das Event „Back to the Street“. Seine Messe musste Insolvenz anmelden.
Die Kleidungsindustrie unterliegt dem gleichen Druck der digitalen Umwälzung wie jede andere Branche. Immer mehr innovative digitale Start-ups machen den Geschäften vor Ort Konkurrenz. Ich rede nicht von den großen Onlinehändlern, die schaffen es über die Masse. Ich meine wirklich kluge Ideen.
Modell des „rotierenden Kleiderschranks“
In den Niederlanden zum Beispiel gibt es „Mud Jeans“. Das Unternehmen stellt einem eine neue Jeans als Leasingobjekt zur Verfügung. Man kauft die Hose also nicht, sondern leiht sie sich gegen Geld. Nach einem Jahr kann man entscheiden, ob man sie behalten oder zurückschicken möchte. Die Jeans, die wieder bei Mud landen, werden als Vintage-Modelle verkauft oder zu anderen Sachen verarbeitet.
Ein weiteres Modell ist das des „rotierenden Kleiderschranks“. Bei „Tote Bag“ schließt man ein Abo auf neue Klamotten ab. Jeden Monat bekommt man ein Paket. Ein Neues erhält man erst dann, wenn die alten Sachen zurückgeschickt wurden. Leider gibt es diesen Service bisher nur in den USA.
Beide Ideen machen analogen Geschäften, und damit auch den Messen, langsam aber sicher Konkurrenz. Aber: „Ein schlauer Fuchs findet immer ein Schlupfloch“, sagt ein chinesisches Sprichwort. Und zu dieser Gattung gehört eigentlich auch Karl-Heinz Müller.





