Leider sind wir nicht die Franzosen. Zumindest, was die Nationalfarben angeht. Als Franzose dürfte man gerade mit einem niedlichen blau-weiß geringelten Shirt zum Fußball. Das ist nämlich das stilvolle Auswärtstrikot der Equipe Tricolore.
Bei jedem Deutschlandspiel steht man momentan unweigerlich vor der Aufgabe, diese Mottoparty – denn nichts anderes ist eine fußballerische Begegnung auf nationaler Ebene anscheinend für viele Menschen – einigermaßen stilvoll zu überstehen. Eine Aufgabe, an der gerade reihenweise gescheitert wird. Das Schlimmste, was ich bisher sehen musste, war ein Mann beim Spiel Ghana gegen Deutschland mit einem schwarz-rot-goldenen Pailletten-Hut. Also bitte! Selbst, wenn man verliert, will man doch einen letzten Rest Würde behalten.
Anders als die Niederländer können wir uns leider nicht in kreischendes Orange hüllen. Dann wäre es sowieso egal, was man anhat: große Plastikbrüste, lange Zöpfe, Schnauzbärte oder einen Käse auf dem Kopf. Der Zuschauer erinnert sich garantiert nur an eins: orange. Ich finde ja, man sollte sich das ganze überflüssige Gedöns einfach sparen. Man geht so zum Fußballgucken, wie man auch an einem Open-Air-Konzert teilnehmen würde. Also weder im Glam-Outfit, noch in Funktionskleidung, noch im Karnevalskostüm.
Das Trikot der deutschen Nationalmannschaft eignet sich übrigens nicht als Oberteil. Es ist aus glänzendem Polyesterstoff und macht einen Spitzbusen. Auch nicht wirklich witzig: T-Shirts für Frauen, auf denen auf Busenhöhe Abseits erklärt wird. Haha. Getoppt wird die ganze Sache nur durch das Modell lebendige Nationalflagge. Das bedeutet schwarzes Oberteil, rote Hose und goldenes Schuhwerk. Bitte, bitte nicht. Und auch keine Fingernägel, Perücken oder Hawaiiketten in diesen Farben. Ein kleiner Tipp noch: Achten Sie, wenn Sie schon unbedingt in Schwarz-Rot-Gold geschmückt sein wollen, auf die richtige Reihenfolge der Farben. Oder wollen Sie für Belgien jubeln?!



