Neulich traf ich meine Bekannte. Sie war sehr traurig. Der Brautkleidershop einer großen Internetplattform, auf der man sehr teure Hochzeitskleider von Designern wie Vera Wang oder Dior kaufen konnte, hatte sang- und klanglos zugemacht. Nun wollte meine Bekannte nicht heiraten, nicht direkt zumindest. Nein, der digitale Wedding-Shop war ihr Sehnsuchtsort, an den sie floh, wenn es ihr nicht gut ging. Also, wenn die Sonne nicht schien oder jemand gemein zu ihr war.

Dann klickte sie auf die Seite und stellte sich ihren Look zusammen. Als City-, Bohemian- oder Country-Braut. Stundenlang entfloh sie ihrer kleinen Depression und träumte sich in den textilen Traum. Manchmal war auch eine Freundin am Telefon dabei, und gemeinsam wurde bis ins kleinste Detail am richtigen Klamotten-Ton gefeilt.

Wenn sie einen richtig schlechten Tag erwischt hatte, wurden im Anschluss direkt noch die Flitterwochen geplant. Rein textil, versteht sich. Bestellt hat sie dort nie etwas, die Sachen waren einfach zu teuer. In den USA hat dieses Verhalten übrigens längst einen Namen: „Fauxumerism“.

Ich möchte nicht wissen, was jetzt mit den ganzen Frauen los ist, die ihres kleinen Traumlandes beraubt wurden. Weinend sitzen sie vor dem Computer. Wenn man genau darüber nachdenkt, versteht man auch endlich, wovon die ganzen Designer immer reden, wenn sie sagen: „Mode ist zum Träumen da.“ Und das nicht im Zusammenhang mit dünnen Models.

Also, liebe Designer: Baut uns einen schönen Sehnsuchtsort. Einen Platz, an dem es blitzt und glitzt. Kaufen werden wir da zwar nix, aber könnten wir Eintritt zahlen?