Sprachlos. Die neue Schuhmode lässt mich verstummen. Nachdem wir Crocs und die Trekkingsandale überstanden haben, sehe ich auf den Straßen von Berlin ein neues Ungetüm an den Füßen wirklich hübscher Frauen. Eine Sandale. Dicke Sohle. Dicke Riemen. Die Sohle schwarz, die Riemen weiß. Manchmal auch umgekehrt. Der Godzilla unter den Sommerschuhen.
Das Schlimme an der Sache: Es ist nur ein Teil einer größeren Modebewegung. Die Normcores sind unter uns. Sie tragen Mom-Jeans (Hosen, die über dem Bauchnabel getragen werden), klobige Schuhe, das Polohemd in der Hose und lieben beige, braun und schwarz. Sie feiern die Abwesenheit von Style. Hardcore normal eben.
Positiv gesehen sind es ehrliche Leute. Sie wollen normal sein. Sie essen Spaghetti Bolognese, trinken Wasser aus der Leitung und brauchen keinen Ernährungstrend, um glücklich zu sein. Vermutlich ist das so etwas wie die großen Mode-Sommerferien für den Hipster. Nicht zu sehr bemühen, einfach mal laufen lassen. All die Ironie, die Jutetasche und den Katzen-Content mal abstreifen.
Aber es gibt Hoffnung, dass dieser Trend genauso schnell vorbeigeht wie der Harlem Shake oder Planking. Erstes Indiz: Karl Lagerfeld, der mit einer seiner Modeschauen diesen Trend unterstützt haben soll – er zeigte Models beim Einkaufen im Supermarkt – hat sich anscheinend besonnen. Er zeigte seine „Cruise Collection“ in Dubai. Gold, Pluderhosen, weich fallende Röcke. Geschmackvolle Opulenz. Und als Höhepunkt: ein goldener Benzinkanister mit dem typischen Chanel-Rautenmuster als Umhängetasche. Alles andere als Normcore.




