Stilfrage

John Wayne-Hut und Walla-Walla-Rock zum Festival

In Zeiten von Berlinale, Goldener Kamera und anderen Galas kann man besonders gut beobachten, wie schlecht der Geschmack mancher Menschen sein kann. Ein Plädoyer für Farbe von Cordula Schmitz.

Foto: Axel Schmidt / AP

Schlechter Geschmack kennt tatsächlich keine Grenzen. Besonders gut ist dieser momentan bei diversen Galas, Premieren oder Preisverleihungen zu beobachten. Die Berlinale naht, die Verleihung der Goldenen Kamera war erst vor kurzem – die Festival-Horror-Abendkleid-Saison ist im vollen Gange. In den USA waren es zuletzt die Grammys. Auch wenn die Stars in den USA Heerscharen an Stylisten beschäftigen, fassen einige wieder und wieder mit unglaublicher Treffsicherheit in die Tonne der Stillosigkeit.

Madonna ist seit einiger Zeit ein absolut sicherer Kandidat. Zu den Grammys erschien sie im schwarzen Mormonenanzug mit schlimmem John-Wayne-Hut. Keine Ahnung, was sie ihren Fans damit sagen wollte. „Ich bin die Wiedergeburt von Calamity Jane“? Und dann trug sie auch noch „Grillz“ im Mund. Diese Zahnaufsätze aus Platin oder Gold mit Glitzersteinen gehen nun wirklich gar nicht.

In Deutschland hat man als Schauspieler, Sänger oder Produzent eher selten Stylisten und wenn, nicht zwangsläufig einen guten. Das musste der Zuschauer leidvoll erfahren, als er Heike Makatsch auf der Verleihung der Goldenen Kamera sah. Sie wirkte, als wenn sie ihr Outfit im Zoo-Mix-Max-Verfahren erstellt hätte. Unten trug sie einen schwarzen Walla-Walla-Rock und obendrüber hatte sie sich anscheinend Hemd und Krawatte (die auch noch schlecht gebunden war) von ihrem Freund geliehen. Ob sich jemand wirklich anziehen kann, zeigt sich eben erst bei den gewissen Anlässen.

Dabei geht es eben nicht darum, den neusten Trend aufzunehmen (Grillz!), sondern sich dem Anlass angemessen zu kleiden. Auch wenn Sie jetzt nicht zu den Oscars eingeladen werden, bleibt diese Regel universal. Denn Hochzeiten, Taufen und der 90. Geburtstag der Oma sind die Galas der Allgemeinheit. Außerdem noch Folgendes: Nutzen Sie Selbstbräuner. Aber bitte nicht einen Tag vorher, sondern einige Tage. So vermeiden Sie peinliche Streifen. Auf der weißen Winterhaut sieht das noch heftiger aus. Auch ich ging schon als Streifenhörnchen aus dem Haus, das macht dann nichts, da muss man dann durch. Tragen Sie Farbe. Gerade im Winter. Denn nichts ist schlimmer als eine Horde schwarz gekleideter Gäste an einem eh schon deprimierenden Februartag.