Stilfrage

Wecke das Tier an Dir – Wilde Trends auf dem Laufsteg

Die Designer wollen uns anscheinend geradezu auffordern, uns auf unsere Instinkte und tierischen Wurzeln zu besinnen. Cordula Schmitz über die Wiederentdeckung des Animalischen bei Fashion-Shows.

Foto: FRANCOIS MORI / AP

Ein neuer Trend, den ich schon länger beobachte, ist: „Tier ist das neue Schwarz“. Zumindest auf den Laufstegen. Nein, es geht nicht um echten Pelz. Bitte nicht hysterisch werden. Kein „Blut auf dem Laufsteg“ oder ähnliches. Vielmehr geht es um die Wiederentdeckung des Tieres im Menschen.

Meine Theorie dazu: Da wir in der Mode und oft auch im Leben sehr dazu neigen, nach strengen Regeln zu leben und nur soweit aufzufallen, wie es den anderen gefällt, sehnen wir uns nach dem Animalischen, Wilden, Unkontrollierbaren und gleichzeitig auch Niedlichen.

Der britische Designer Alexander McQueen war einer der ersten, der seine Models einen animalischen Touch verlieh, als er sie in hufenartigen Schuhen über den Laufsteg schickte.

In Berlin saß in der vergangenen Woche die Redakteurin eines Magazins mit Katzenmaske in der ersten Reihe (Hut ab, genialer Marketingtrick), sah gut aus und alle sprachen drüber. Überhaupt, Katzenohren auf dem roten Teppich sind längst total angesagt.

Hamsterhintern im Netz, Hasenmützen auf dem Kopf

Im Netz werden gerade Bilder von pelzigen Hamsterhintern gefeiert. Panda-Fellmützen sind bei den aktuellen Witterungsbedingungen in Berlin immer öfter auf der Straße zu sehen. Der Tier-Trend ist aber nicht nur Frauen vorbehalten, sondern kommt auch sehr männlich daher.

Auf der Pariser Modewoche verpasste zuletzt Thom Browne seinen männlichen Models Hasen- und Fischmützen. Einer kam sogar mit Elefantenkopf. Gut, das ist wohl etwas unpraktisch.

Um die ganze Sache noch kuscheliger zu machen, ist gleichzeitig das Teddyfell wieder angesagt, ebenfalls für den Mann. Als Weste, Pulli und sogar als Schuh. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Niemand möchte Kuhfell-Stiefel oder den Ganzkörper-Leoparden-Look zurück.

Aber so ein bisschen wildes Tier zum Ausgehen am Wochenende? Das könnte wirklich Möglichkeiten eröffnen. Anscheinend wollen uns die Designer geradezu auffordern, uns auf unsere Instinkte und unsere tierischen Wurzeln zu besinnen. Und nachdem Nacktheit in all ihren Facetten niemanden mehr aufschreckt, müssen wir uns nun wie die Tiere verkleiden, um mehr Mensch und nicht nur Hasenfuß zu sein. Und wenn das nur heißt, auch mal mit den Fingern statt mit Messer und Gabel zu essen.