Werte Lesende, ich bitte vielmals um Entschuldigung, denn ich mache den Galileo: Ich widerrufe. Aber immerhin nicht so schnell und oft wie SPD-Chef Martin Schulz. Neulich hatte ich an dieser Stelle das Nicht-Regieren als Wellnesskur für Deutschland gepriesen: Wirtschaft läuft, AfD-Zahlen sinken, die Niederlande spielen nicht bei der Fußball-Weltmeisterschaft mit – das hätte keine Koalition hinbekommen. Alles gut? Nein. Denn regiert wird doch, „geschäftsführend“, ein anderes Wort für Bauerntheater. Wobei es auf der Volksbühne den dummen August gibt, der für dumm verkauft wird. Im politischen Berlin gehört diese Rolle dem Publikum.
Aufführung 1: Die Glyphosat-Posse. Die Kanzlerin tut, als empöre sie sich über einen zu Recht unbekannten Minister, der wiederum exekutiert, was sie für richtig hält. Ziel erreicht, Story fast schon wieder vergessen. Handlung: durchsichtig. Schauspielerische Leistung: schwach.
Aufführung 2: Das Diesel-Drama. Wieder traf sich das Land zum Dieselgipfel. Wieder wurden virtuelle Milliarden für virtuelle Maßnahmen gegen feinverstaubte Städte spendiert. Husten – wir haben ein Problem. Ein starkes Drehbuch hätte zwei Stränge gehabt: erstens die SUV-Steuer verfünffachen und zweitens jeglichen inner-städtischen Lieferdienst nur noch elektrisch erlauben, mit Biostrom natürlich. Plus sofortigen Führerscheinentzug für Zweite-Reihe-Parker. Das wäre ein viel diskutiertes Stück geworden.
Aufführung 3: Wohin mit Martin? Handlung: Der heimliche SPD-Chef Frank-Walter Steinmeier führt den eingebildeten SPD-Chef Schulz durchs Berliner Machtgestrüpp. Alle wissen, dass er eine große Koalition nicht verhandeln kann, aber keiner traut sich’s zu sagen. Handlung: beredtes Schweigen, die drei großen SPD-Traumata Dolchstoß, Mannheim, Merkel wirken ewig. In den Rollen der Betreuer: Andrea Nahles, Sigmar Gabriel, Hubertus Heil. Defizit: Ehrlichkeit und Verantwortung.
Und was steht nächste Woche auf dem Programm? Ein Horrorschocker: Der SPD-Parteitag – das Grauen kehrt zurück.
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