Schumachers Woche

Das normale Fahrrad wird zur Randgruppe

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Hajo Schumacher
Hoverboards, E-Bikes, Skateboards - Das normale Rad ist längst überholt

Hoverboards, E-Bikes, Skateboards - Das normale Rad ist längst überholt

Foto: Aneese / Getty Images/iStockphoto

Politik und Christentum verbindet, dass beide auf gesellschaftlichen Wandel eher verzögert reagieren, meint Hajo Schumacher.

Mit dem Fahrradfahren ist es wie mit Jesus. Um die Osterzeit erinnern sich viele Leute wieder dran: schlechtes Gewissen, nie versiegende Hoffnung, bessere Welt. Auch in der Politik erfährt das Rad plötzlich Aufmerksamkeit. Überall werden neue Superhighways gebaut, weniger für jene Gelegenheitsradler, die am Tag nach dem Osterausflug zum Physiotherapeuten humpeln, sondern für tägliche Pedaleure. Politik und Christentum verbindet wiederum, dass beide auf gesellschaftlichen Wandel eher verzögert reagieren. Zumindest der massive Radwegebau kommt ein paar Generationen zu spät.

Der Blick auf den Fahrzeugpark einer Schule illustriert die Zukunft des Individualverkehrs. Kinder, die nicht per SUV chauffiert werden, nutzen heute ein gutes Dutzend verschiedenster Fahrzeuge: Longboards und Pennyboards, Einräder und Lastenräder, elektrisch betriebene Rollapparate mit Discolichtern, die guten alten Inliner, den faltbaren Tretroller. Bewegungsferne Jugendliche schnappen sich Omis E-Bike. Die Industrie bastelt längst an Hoverboards, also Schwebebretter, an Flugrucksäcken, die wir Älteren von Olympia 1984 kennen, und tatsächlich Flugmopeds. Da wird das normale Rad zur Randgruppe.

Die Straße von morgen braucht bis zu acht Spuren

Der klassische Verkehrsweg, im Idealfall dreigeteilt für Autos, Räder und Fußgänger, wird in Zukunft nicht mehr genügen. Beispiel Skateboard: Ein routinierter Fahrer bringt sein Brett durchaus auf Fahrradtempo, saust damit aber über den Gehsteig. Das träge Lastenrad wiederum überholt kaum einen Spaziergänger, und wird links von einer Rennmaschine, rechts vom hochgezüchteten E-Bike überholt, die sich beide ein Sprinterduell bis zur nächsten Ampel liefern, wo ein Kind mit einer Warnfahne auf seinen Stützrädern schwankt.

Lastenräder auf den Gehsteig? Skateboards auf den Radweg? Aber wohin mit dem Einrad? Mit dem E-Brett? Und mit den Inlinern erst. Die Straße von morgen braucht wahrscheinlich bis zu acht Spuren, jedes Fahrzeug ein Kennzeichen, dazu natürlich Tempolimits. Bis das aber endlich so weit ist, hilft Beten und eine Christophorus-Plakette am Lenker.

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