Schumachers Woche

Gauck kann man bei jeder Party auflegen lassen

Hajo Schumacher hat sich mal ausgemalt, was er sich so für Musik beim Großen Zapfenstreich wünschen würde..

Bundespräsident Joachim Gauck beim Großen Zapfenstreich

Bundespräsident Joachim Gauck beim Großen Zapfenstreich

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Mal angenommen, mein Leben entgleitet mir und ich muss auf meine alten Tage Politiker werden. Kanzler wäre zu stressig, bekomme ich zu Hause nie durch. Lieber Bundespräsident oder Verteidigungsminister. Auch wegen der Hubschrauberflüge, aber vor allem wegen des Großen Zapfenstreichs: Fackeln, Wachbataillon, von Ferne das sanfte Krakelen der Demonstranten. „Meine Gefühle lassen sich nicht in Worte fassen“, schrieb Helmut Kohl über seinen Zapfenstreich vor dem Speyrer Dom. Selbst Gerhard Schröder musste weinen, als das Musikkorps der Bundeswehr „My Way“ anstimmte.

Am Freitag war Joachim Gauck dran. Unfallfrei hat der Pastor mahnende Reden gehalten, Fähren getauft, aber die größte Aufgabe wartete zum Finale – die Liedauswahl. Mit einem programmatischen „Freiheit, die ich meine“, dem Protestanten-Evergreen „Ein feste Burg ist unser Gott“ und der gesamtdeutschen Hymne „Über sieben Brücken“ (Karat, Maffay) bewies Gauck eine sichere Hand. Den kann man bei jeder Party auflegen lassen.

Und? Was würde ich mir wünschen? Zunächst ein Blick in die bisherige Playlist. Den Spitzenplatz teilen sich mit je drei Punkten „Des großen Kurfürsten Reitermarsch“ (Kohl, Struck, zu Guttenberg) und die „Ode an die Freude“ (Kohl, Scharping, Wulff). Eigenwillig Franz-Josef Strauß („Panzerkreuzer Deutschland“; „Starfighter Marsch“), persönlich Peter Struck („Gruß an Kiel“), fetzig der Freiherr („Smoke on the water“).

Beratungsgespräch mit der Familie: Der Kleine wünscht sich irgendwas von Jam FM, der Große Hip-Hop, die Gattin favorisiert Balkan-Pop. Aber wir sind doch in Deutschland. Da gibt es auch schöne Sachen. „Atemlos“ passt immer. Oder Peter Fox. Nee, dann doch lieber auf Nummer sicher und die Udos: Jürgens („Immer wieder geht die Sonne auf“) und Lindenberg – nein, nicht der Sonderzug, sondern „Einer muss den Job ja machen.“ Zum Schluss dann „Heroes“ von David Bowie. Da kann dann jeder fühlen, was er will.

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