Sie nannten ihn „blondes Fallbeil“. Doch er war schlimmer: bösartig zum Gegner, kreischender Fanboy der Partei, ergeben wie ein Handtaschenhund, wenn sein Herrchen sprach. Klingt irre, ist aber der perfekte Generalsekretär. Niemand interpretierte den Job hingebungsvoller als Edmund Stoiber vor 35 Jahren unter dem CSU-Patriarchen Franz Josef Strauß. Der jugendliche Politmephisto betrachtete Hass als Lob, Wahrheit als Knetmasse und sich selbst als großartig.

Wer süchtig ist nach Adrenalin, wer gern in Schweißbach und Speichelschaum badet, der meldet sich zum Antiaggressionstraining – oder als Generalsekretär. Der Posten ist schmuddelig, aber immens wichtig: Gute Generäle kanalisieren die schäumenden Gefühle der Basis, schützen den Chef, reizen die Gegner. Hauptsache Emotionen, egal welche. War Stoiber das Fallbeil, ist sein Nachnachfolger Scheuer ein Buttermesser. Er ließ seinen Chef Seehofer im Flüchtlingsstreit allein. Wäre Strauß/Stoiber nie passiert.

Was die Baslers für den Fußball, sind Generäle für die Politik. Grenzgänger, die Scham und Scheu für Schwäche halten und rote Linien als Einladung zum gelegentlichen Überqueren. Das Hochdruckgeschäft Politik braucht den Parteisekretär als schmerzfreies Rückschlagventil zum Dampfablassen. Sonst erledigen es die Falschen.

Generalskrise überall

Der Generalsekretär steht auf der Liste der bedrohten Jobarten. CDU-Kollege Peter Tauber ist nett, genau das ist sein Problem. Vorgänger wie Biedenkopf, Geißler und Rühe hatten Freude am Rüpeligen, Franz Müntefering erfand als SPD-General die „Heuschrecken“, Guido Westerwelle provozierte einfach so. Angela Merkel immerhin nutzte das Amt zum Abhärten. Und heute? Generalskrise überall. Bestes Indiz: Wir vermissen Andrea Nahles auf dieser Position.

Dass die Diplom-Chemikerin Yasmin Fahimi zu wenig Polterkraft besaß, ist ihr nicht vorzuwerfen. Ein Abschied in Einsicht ist ehrenhaft. Nun soll die nächste Frau als Generalin zerrieben werden. Quote kann auch unfair sein. Denn die SPD hat den perfekten Kandidaten in ihren Reihen.

Kleiner Test: „Ralf Stegner“ – was löst dieser Name spontan aus? Richtig: Emotionen, egal welche. Man muss ihn nicht mögen. Wie Basler. Oder Stoiber. Aber Stegner kann das. Die nordische Axt. Für solch rare Verrückte gilt nicht die Quote, sondern Artenschutz.