Meine Woche

Willkommen, Touristen, in Friedrichshain-Kreuzberg

Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Monika Herrmann, fordert einen Verhaltenskodex für Touristen - und Gummirollen am Rollkoffer. Eine absurde Sache, findet Christine Richter.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Durch Wiederholung wird nicht alles besser: Monika Herrmann, die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, ihres Zeichens Grünen-Mitglied, hat kürzlich Regelungen für Touristen gefordert.

Als dieser Vorstoß weitgehend unbemerkt verhallte, legte sie jetzt nach: Nun fordert sie einen Verhaltenskodex für Touristen, weil es so laut und dreckig in ihrem Bezirk ist, weil die jungen Menschen gerade auf der Feiermeile an der Warschauer Brücke oder der Simon-Dach-Straße so viel Alkohol trinken, weil sich die Kreuzberger durch Ferienwohnungstouristen belästigt fühlen.

Auch, so Herrmann, müssten deren Rollkoffer mit Gummirollen ausgestattet werden, um den Lärm auf den Straßen in Kreuzberg und Friedrichshain zu mindern. Au weia.

Eine wahrlich absurde Sache

Hätte ein CDU-Politiker eine solche Forderung erhoben, wären die Grünen wahrscheinlich die Ersten gewesen, die ihn als hinterwäldlerisch beschimpft hätten. Da es eine der ihren ist, halten sie sich zurück. Dabei ist die Sache wahrlich absurd. Gerade in Kreuzberg, einem Bezirk, der schon zu Mauerzeiten so besonders und offen für Ungewöhnliches war, der sich stets als Multi-Kulti-Bezirk verstanden hat, in dem auch vieles geduldet wurde und wird, will man nun die Grenze ziehen.

Für junge Menschen aus aller Welt, die zum Feiern nach Berlin kommen. Und auch das gehört zur Geschichte dazu: Die Simon-Dach-Straße beispielsweise hat sich ja nicht im Verborgenen zu einer Straße, in der sich Kneipe an Kneipe reiht, entwickelt. Der Bezirk hat sich das viele Jahre lang angeschaut, obwohl die Anwohner schon bald über den Lärm in der Nacht klagten. Getan wurde aber erst etwas, als die Straße in jedem Reiseführer stand und damit fest in der Hand der Touristen war.

Ich glaube, Monika Herrmann muss noch viel lernen – über ihren Bezirk, die Politik und sich selbst.

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