Endlich mal eine gute Nachricht: Die geplante App, auf der Menschen in Prenzlauer Berg Falschparker oder andere Verkehrssünder melden sollten, wird es nicht geben. Der Initiator hat mit seiner Spendenaktion im Internet – Crowdfunding genannt – nicht die erforderliche Summe zusammenbekommen. Mich freut das, denn diese App ist meiner Meinung nach keine gute Idee. Sie ruft das im Menschen hervor, was nicht wirklich für das Zusammenleben hilfreich sein kann.

Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede. Die Parkplatzsituation in Prenzlauer Berg hat sich durch die Einführung der sogenannten Parkraumbewirtschaftung verbessert - tagsüber. Ab 19 Uhr, spätestens ab 19.30 Uhr aber kurven viele Autofahrer um den Block, in der Hoffnung, doch noch einen freien Platz zu ergattern. Außerdem hat - wie fast überall in Berlin - die Unsitte, das Fahrzeug in zweiter Reihe oder auf dem Fahrradweg zu parken, extrem zugenommen. Auch ich, obwohl überzeugte Autofahrerin, ärgere mich darüber. Aber auch über die Radfahrer, die auf dem Bürgersteig entlang zischen, weil ihnen das Fahren auf dem Kopfsteinpflaster zu mühsam ist.

Mit der App sollte es uns möglich sein, dem Bezirksamt zu melden, wer wo falsch geparkt hat, die Autos mit Kennzeichnen zu fotografieren. Dies Idee wurde vom zuständigen Stadtrat auch noch unterstützt, obwohl doch von 9 bis 24 Uhr die Mitarbeiter des Ordnungsamts unterwegs sind, um zu kontrollieren, ob alle richtig parken und dafür auch bezahlt haben. Sie kommen alle zwei bis drei Stunden vorbei, es ist also eine nahezu lückenlose Kontrolle. Außerdem kostet das Abstellen des Fahrzeugs ohne Parkschein inzwischen nicht mehr fünf Euro, sondern zehn Euro Bußgeld.

Ich höre von vielen meiner Bekannten und Freunden, dass sie jetzt auch für kurze Parkzeiten bezahlen, um keinen Strafzettel zu riskieren. Deshalb braucht es die App nicht, mit der die Blockwarts unter uns animiert werden, Verkehrssünder zu melden. Und erinnern Sie sich: Es hatte seinen Grund, warum die Petzer in der Schule alleine auf dem Schulhof spielen mussten.

Aber mein Stadtrat in Pankow ist nicht der einzige, der übermütig wird. Auch der Stadtrat in Tempelhof-Schöneberg hat in dieser Woche eine eigenwillige Idee kundgetan: Er will den Straßenstrich an der Kurfürstenstraße in Tiergarten in der Zeit von 4 bis 20 Uhr untersagen. Weil die Beschwerden der Anwohner, der Eltern, die ihre Kinder zur nahe gelegenen Schule bringen, der Käufer im Möbelhaus zugenommen hätten. Sogar Verkehrsschilder gibt es für ein solches Verbot.

Mit Verlaub: Die Beschwerden kenne ich schon, seit ich nach Berlin kam – und das war Mitte der 80er-Jahre. Was der Stadtrat nicht sagt, ist, wie er ein solches Verbot kontrollieren will. Möchte er jetzt in dieser Zeit an der Kurfürstenstraße Polizisten – die für andere Aufgaben dringend gebraucht werden – einsetzen? Oder Mitarbeiter des Ordnungsamts die der Bezirk finanzieren muss, wobei doch auch sein Bezirksamt dauernd klagt, dass es kein Geld für die Sanierung der Schulen, Spielplätze oder die Ausbesserung der Straßen hat? Und was macht der Stadtrat eigentlich, wenn die Prostituierten in andere Straßen gehen – noch mehr Verbote verhängen?

Selbst wenn es Unterstützung für diesen Vorschlag vom Innensenator gab – neue Ideen in allen Ehren, liebe Stadträte. Aber klug müssen sie schon sein.