Das war doch diese Woche mal eine positive Meldung: Deutschlands Studenten zieht es nach Berlin. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, kommen zum Wintersemester 2013/14 deutlich mehr junge Wissenschaftler in die Hauptstadt, als sie verlassen. Unterm Strich bleibt ein Plus von 27.300 Studenten, wenn Zu- und Abwanderer miteinander verrechnet werden. Damit lag Berlin noch vor Hamburg, das ein Plus von 25.400 Zuzügen aufweist. Was einmal mehr beweist: Berlin ist beliebt. Es gibt an den vier Universitäten, sieben Fachhochschulen und drei Kunsthochschulen nicht nur hervorragende Lehre und Forschung. Nein, mittlerweile ist es so, wie es früher mit Paris war: Man studiert in Paris, um auch die Stadt zu erleben. Dieses „Ich habe mal in Berlin studiert“ wird in Zukunft den Ruf der Stadt weltweit weiter verbessern.

Wichtig ist aber, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Zwar freute sich Sandra Scheeres, im Hauptberuf Wissenschaftssenatorin von Berlin, am Freitag ein neues Studentenwohnheim mit knapp 380 Plätzen in Adlershof eröffnen zu können. Doch nach Angaben des Studentenwerks fehlen in Berlin 5000 kostengünstige Zimmer. Der Druck ist enorm. An der Humboldt-Universität haben sich zum Wintersemester 36.600 Bewerber gemeldet – auf 3300 Plätze. An der Freien Universität wollen 33.000 junge Männer und Frauen neu studieren – bei 4300 Plätzen.

„Heimvorteil“ greift zu kurz

Der Senat hatte in den vergangenen Jahren wegen des großen Andrangs 6000 neue Studienplätze geschaffen. Doch reicht das? Viele Berliner verstehen es nicht, dass für die Abiturienten aus der Hauptstadt kaum noch Platz in den Studiengängen der Berliner Universitäten ist. Viele Fächer sind mit einem hohen Numerus Clausus belegt. In der Politik wird manchmal über einen „Heimvorteil“ für Landeskinder nachgedacht. Doch das greift zu kurz. Denn gerade die Unis sind keine Regionalveranstaltung. Trotzdem ist es eben schwer vermittelbar, wieso Eltern mit geringem Einkommen ihren Kindern teure Studienplätze und Wohnungen in anderen Städten bezahlen müssen.

Es ist Zeit, dieses Problem auf Länderebene anzusprechen. Finanzsenator Ulrich Nußbaum hat das schon getan. Berlin bildet für andere Bundesländer mit aus – ist sein Argument im Streit um den Länderfinanzausgleich. Es wäre gut, wenn nun auch Geld für neue Studienplätze nach Berlin fließen würde.