Der Präsident blickte in den Himmel. „Gleich werden Sie erleben, wie laut es hier wird“, sagte Ralf Wieland. Der Abgeordnetenhauspräsident hatte in dieser Woche einige Journalisten zu einem Sommer-Barbecue geladen. Traditionell veranstaltet der Sozialdemokrat dieses Zusammenkommen in Wedding, seinem Heimatbezirk. An diesem Donnerstagabend stand Wieland auf der Terrasse der „Brasserie de France“ an der Müllerstraße und wartete.
Dann kam ein Flugzeug, das zur Landung in Tegel ansetzte. Es werde immer über die Lärmbelästigung für die Anwohner des Flughafens in Reinickendorf und Pankow berichtet, so Wieland. Aber in seinem Stadtteil würden die Menschen genauso unter dem Fluglärm leiden. Die Inhaberin der Brasserie hatte eine Mitarbeiterin von Wieland sogar gewarnt. Es könne so laut werden, dass Gespräche mit dem Abgeordnetenhauspräsidenten auf der Terrasse nicht möglich seien.
Lokalpolitiker wie Wieland verstehen die Diskussion um eine mögliche Offenhaltung von Tegel als Zweitflughafen neben einem Großflughafen in Schönefeld nicht. Jahrzehntelang hätten die Menschen den Krach der startenden und landenden Maschinen aushalten müssen. Mit der Schließung könnten nun einige Wohnviertel endlich aufgewertet werden. Unterstützung bekommt der Abgeordnetenhauspräsident auch durch den Regierenden Bürgermeister.
Klaus Wowereit (SPD) lässt keine Gelegenheit aus, um deutlich zu machen, dass er nichts von den Plänen des Flughafenchefs Hartmut Mehdorn hält, den langjährigen Berliner Flughafen offenzuhalten. Tegel soll nur wenige Wochen nach der Eröffnung des BER in Schönefeld geschlossen werden. Nur der Termin der Schließung ist offen. Nach dieser Woche mit neuen Problemen am BER einmal mehr denn je.
Nun soll es also eine Mini-Eröffnung geben. Ab 2014 sollen im Nordpier einige Hundert Fluggäste einchecken. Aber ob das einen Probebetrieb simulieren kann, ist fraglich. Es scheint doch eher so, dass das Vorhaben ein Signal sein soll: Der Großflughafen öffnet doch, wenn auch nur im Kleinformat. Von Teileröffnung sprach dann in der Aufsichtsratssitzung auch niemand. Das wäre dann doch zu gewagt. Ein Termin für das große Terminal ist weiter offen. Vielleicht wird der BER 2015 an den Start gehen, vielleicht auch später.
Für die Anwohner in Tegel gibt es also noch keine Entwarnung. Am Abend des Barbecues blieb es aber am Himmel eher ruhig. Das war wohl dem Vorführeffekt geschuldet.


