Ich weigere mich ja eigentlich vehement, über Gartentrends zu schreiben, geschweige denn überhaupt über solche nachzudenken, denn wer – in Gottes Namen – möchte schon jedes Jahr seinen Garten neu bepflanzen. Die meisten von uns sind ja froh, wenn das bereits Gepflanzte endlich einmal anwächst.
Und dennoch möchte ich Ihnen einen Trend, der in England große Wellen schlägt, nicht vorenthalten; er wird besonders den Minimalisten und Anhängern des urbanen Gärtnerns sehr zusagen. Es geht um naturnahe Bepflanzungen von Recyclingcontainern. Mit anderen Worten, Petunien und Pelargonien sind out, Kornblumen und Hundskamille sind in. Was im Wohnzimmer als Retro Sofa steht, ist im Garten die Wildwiese in der blauen Öltonne.
Seit Monaten sieht man in englischen Gartenmagazinen Vorschläge einer renommierten Gärtnerin, die alte Waschbottiche, Wellblechcontainer und Badewannen mit sehr feinen, sanften einjährigen Blumen bestückt. Die Wiesen und Äcker sind ihre Inspiration, und das eigentliche Thema heißt „hingucken“. Nachdem viele Jahre lang knallende Farben auf Balkon und Terrasse bevorzugt wurden, bekommen jetzt kleine, zierliche Blumen alle Aufmerksamkeit. So wurde für den Sommer einfach die obere Hälfte eines blauen Ölfasses abgeschnitten und dann mit blauen Kornblumen (Centaurea cyanus), weißer Acker-Hundskamille (Anthemis arvensis) und gelben Saat-Wucherblumen (Glebionis segetum) bepflanzt. Das Ergebnis ist ein exquisiter Wildblumenstrauß auf einem Viertelquadratmeter. Blühen sollte diese Kombination, wie auch auf dem Feld, von Juni bis Ende September, wenn sie nicht vorher von einem Mähdrescher erfasst wird, was auf dem Balkon eher unwahrscheinlich ist.
Meine bis jetzt favorisierte Bepflanzung für den Sommer ist auch die einfachste: In einem Wellblechcontainer befinden sich nur weiße Prachtkerzen (Gaura lindheimeri) und das Afrikanische Liebesgras (Eragrostis curvula „Totness Burgundy“), Letzteres kann aber bestimmt auch durch ein hier erhältliches zartes Federgras (Nassella tenuissima) ersetzt werden. Es sieht einfach bezaubernd aus, und das Ganze blüht und bewegt sich sanft im Wind von Mai bis Ende Oktober.
Wer möchte, dass es auf Balkon und Terrasse auch kräftig duftet, erfreut sich vielleicht an der Kombination von Fenchel, Schokoladenblume und Pfirsichsalbei. Der purpurne Fenchel (Foeniculum vulgare „Purpureum“) ist mit einer Wuchshöhe von 1,5 bis zwei Metern schon eher etwas für einen Waschzuber. Ihm zu Füßen setzt man dann die dunkelrote Schokoladenblume (Cosmos atrosanguineus) und den knallroten kleinblütigen Pfirsichsalbei (Salvia „Royal Bumble“).
Mit anderen Worten, die Hingucker sind durch Angucker ersetzt worden. Die Behältnisse und ihre Bepflanzung werden verspielter und sollen Saisonalität auf den Balkon und die Terrasse bringen. Ich finde diese neue Form der sanften Bepflanzungsrevolution hinreißend und vor allem sehr gut für die Augen. Wir probieren seit Jahren viele einjährige Neuheiten und Altbewährtes für Tröge und Töpfe aus, dazu gehören auch all die neuen Cosmos-Sorten, die so hervorragend mit den heißen Temperaturen umgehen. Auch andere Blumen trotzen der Hitze, wie die vielen schönen Tabaksorten, die seit Wochen schon in den schönsten Farben blühen und dies auch bis November weiter tun werden.
Auch die Spinnenblume liegt wieder im Trend – und da taucht das „böse“ Wort schon wieder auf … Es verhält sich vielmehr so, dass viele der neuen Blumen in Wirklichkeit nur Blumen sind, die irgendwie durch die Üppigkeit der Pelargonien und Petunien verdrängt wurden. Und sie gilt es dringend wieder zu entdecken, denn sie haben etwas an sich, das man an einer Pelargonie so gar nicht finden kann: etwas Liebliches.




