Erst kürzlich habe ich sowohl in einem englischen, als auch in einem belgischen Magazin voller Neid über winterharte Schmucklilien (Agapanthus) gelesen, denn bei uns sind sie dies leider nicht. Was immer Ihnen irgendwelche sogenannten Experten auch darüber sagen mögen, wahr ist, der Agapanthus kommt aus Südafrika und ist hier bei uns auf gar keinen Fall winterhart. Minusgrade unter fünf Grad Celsius sind absolut unverträglich für ihn.

Trotzdem ist er natürlich sehr begehrenswert, blüht er doch wochenlang in jenem Azurblau, das wir nur aus südlichen Gefilden kennen und das in uns die Sehnsüchte weckt. In diesem Sommer ist das ja auch kein Kunststück. Die Tatsache, dass diese Schmucklilie bei uns nicht winterhart ist, sollte uns aber keinesfalls davon abhalten, sie im Sommer als Kübelpflanze auf den Balkon oder die Terrasse zu stellen, um sie dann im Winter einzulagern.

Dabei ist es wichtig zu wissen, ob es sich beim erworbenen Agapanthus um eine Spezies handelt, die immergrün ist, oder um eine Sorte, die zum Überwintern die Blätter abwirft. Früher war diese Unterscheidung einfach zu machen, denn man konnte sagen, dass die schmalblättrigen Agapanthussorten im Winter die Blätter verlieren, wogegen die sehr breitblättrigen Schmucklilien ihre Blätter auch über den Winter behalten.

Diese eindeutige Differenzierung ist, dank unzähliger neuer Züchtungen von Hybriden, heute leider nicht mehr möglich. Sollte Ihnen also daran gelegen sein, ihre Schmucklilie mehrere Jahre zu behalten, ist es ausgesprochen wichtig, beim Kauf in Erfahrung zu bringen, ob sie immergrün ist oder ihr Laub abwirft.

Diese Tatsache ist auch für die Lagerung von Bedeutung, denn die Laubabwerfenden können sie getrost im Keller oder der dunklen Garage überwintern, wogegen die Immergrünen auch im Winter Licht benötigen; sie sollten daher an einem recht hellen Platz gelagert werden. Ideal wäre beispielsweise ein helles Treppenhaus, das nicht so warm beheizt wird wie die Wohnung. Die richtige Winterlagerung ist übrigens verantwortlich für die Blühfreudigkeit der Pflanzen.

Viele unserer Kunden beschweren sich, dass ihre Schmucklilien im zweiten oder dritten Jahr nicht blühen. Das ist ohne Frage eine Folge der Überwinterung in zu warmen Räumlichkeiten. Es ist nämlich von entscheidender Bedeutung für die Blütenbildung, dass der Agapanthus eine längere, kühle Winterpause erlebt. Und Winter bedeutet für die Liebesblume, wie die Übersetzung von Agapanthus lautet, ein Idealwert von zwei bis acht Grad Celsius, egal, wie lang er dauern mag. Auf keinen Fall sollte die Temperatur während des Winters unter minus fünf Grad Celsius fallen.

Drei weitere Dinge beeinflussen den Blüherfolg: Ab Oktober sollten die draußen stehenden Töpfe unter eine Überdachung gestellt werden, denn nichts hassen sie mehr als Staunässe im Topf. Daher ist es auch besonders wichtig, die Töpfe immer auf kleine Bodenabstandshalter zu stellen, damit das Wasser frei ablaufen kann. Und drittens empfiehlt sich regelmäßiges Umtopfen.

Spätestens wenn die Agapanthuswurzeln schon richtig aus dem Topf herausquellen, ist es an der Zeit, die Pflanze zu teilen. Die beste Zeit dafür ist gleich nach der Blüte im September. Das Umtopfen ist nichts für Weicheier, denn der Fachmann empfiehlt, eine Säge einzusetzen: Zunächst wird das unterste Drittel der weißen dichten Wurzelmasse abgesägt und danach die gesamte Pflanze, je nach Größe, mit der Säge gedrittelt oder geviertelt.

Der neue Topf ist großzügig zu wählen und sollte um etwa zwei Drittel größer sein als die Pflanze. Gepflanzt wird in ein Erde-Sand-Gemisch, um eine gute Dränage zu ermöglichen. Im April, Juni und September sollte der Pflanze ein Esslöffel kalireicher Dünger (wenig Stickstoff) gegeben werden. Und damit sind alle Mythen um den Agapanthus aufgeklärt und die Tatsachen erläutert.