Meine Woche

Das Schulversagen in Berlin

| Lesedauer: 4 Minuten
Von der noch zuständigen Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hört man zum Schulbeginn in drei Wochen  nichts, schreibt Christine Richter.

Von der noch zuständigen Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hört man zum Schulbeginn in drei Wochen nichts, schreibt Christine Richter.

In drei Wochen beginnt wieder der Unterricht. Doch Rot-Rot-Grün hat noch kein Konzept, schreibt Christine Richter.

Berlin. Die Hälfte ist um: Drei Wochen Sommerferien, so schnell geht das, liegen schon hinter uns, drei Wochen sind es noch bis zum Schulbeginn. Viele Eltern, aber auch die Oppositionspolitiker, fragen sich, wie es ab dem 9. August in den Schulen weitergehen wird. Von der noch zuständigen Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hört man dazu nämlich nichts.

„Es wird Präsenzunterricht geben“, erklärte der Linken-Fraktionschef Carsten Schatz in der vergangenen Woche bei einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Naumann-Stiftung mit den Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl. Auf die Nachfrage von FDP-Fraktionschef und Spitzenkandidat Sebastian Czaja, ob damit dann auch „Regelunterricht“ gemeint sei, bejahten dies Schatz, aber auch die Spitzenkandidatinnen Franziska Giffey (SPD) und Bettina Jarasch (Grüne). So weit, so gut, das wäre ein wirklicher Fortschritt gegenüber den vergangenen Monaten.

Corona in Berlin, Deutschland und der Welt - mehr zum Thema

Schulbeginn in Berlin: Viele Fragen sind noch ungeklärt

Doch viele Fragen sind noch ungeklärt: Was ist, wenn die Delta-Variante sich noch weiter ausbreitet, wenn die Zahl der Inzidenz weiter so rasant ansteigt wie in diesen Tagen? Spielt die Zahl der Neuinfektionen für den Schulstart wirklich keine Rolle mehr? Was ist mit Luftfiltern, die das Lüften nicht ersetzen, aber eine wichtige Unterstützung beim Kampf gegen das Coronavirus sind? Was ist mit der Testpflicht für die Kinder und Jugendlichen? Welche Art der Tests wird es geben? Und was passiert, wenn sich Kinder nicht testen lassen wollen oder deren Eltern es ablehnen? Können die Schüler dann gezwungen werden oder einfach ins Homeschooling zurückkehren? Und haben die Eltern ein Anrecht darauf zu erfahren, ob alle Lehrer, die Sozialarbeiter oder auch der Hausmeister geimpft sind? Bislang haben sie es jedenfalls nicht, denn es gibt in Deutschland keine Impfpflicht, der Arbeitgeber darf auch keine Auskunft verlangen, ob man sich hat impfen lassen.

Nach Angaben der Senatsgesundheitsverwaltung gibt es keinen Überblick, wie viele Berliner Lehrerinnen und Lehrer das Impfangebot angenommen haben. Man gehe von einer hohen Impfbereitschaft aus, heißt es. Von 85 Prozent war zuletzt die Rede. Das heißt aber auch, dass 15 Prozent der Lehrkräfte nicht gegen das Coronavirus geimpft sind. Und so besteht das Risiko, dass sich Kinder und Jugendliche anstecken – und die Krankheit dann mit in die Familien, damit auch wieder mit zu den Großeltern bringen.

Man muss sich jetzt zusammensetzen und Konzepte ausarbeiten

Drei Wochen, das haben wir gerade erlebt, vergehen wie im Flug. Ich verstehe, dass nach den anstrengenden Corona-Monaten auch Politiker oder Schulleiter und Lehrer eine Pause brauchen. Doch wenn am 9. August für alle wieder der Regelunterricht vor Ort beginnen und es kein Chaos geben soll, dann muss man sich jetzt zusammensetzen. Konzepte ausarbeiten – mit unterschiedlichen Szenarien für langsam oder rasch steigende Inzidenzen. Dann muss man auch die Elternvertretungen einbinden, denn was die Eltern in den vergangenen Monaten schmerzlich erlebt haben, darf sich nicht wiederholen. Es muss frühzeitig und vor allem klar informiert werden, es muss ein verlässlicher Unterricht für alle gewährleistet werden – nicht nur an den besonders engagierten und gut ausgestatteten Schulen.

Man muss keine aktuellen Studien lesen, um zu wissen, dass besonders die Familien, die Kinder und Jugendlichen unter der Pandemie gelitten haben, dass der Bedarf an psychologischer Hilfe extrem stark gestiegen ist – in Berlin sogar um 30 Prozent –, man muss nur den alleinerziehenden Müttern, den Eltern, den Grundschülern oder auch den Abiturienten zuhören. Dafür aber muss man raus aus der Politik-Blase, raus der Behörde – und rein ins Leben.