Karaseks Woche

Witze halten die Absurdität von Zeitgeschichte fest

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost. Heute macht er sich Gedanken über Freitag, den 13., Aberglaube und die Absurdität von Zeitgeschichte.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Als das Jahr, das jetzt zu Ende geht, noch taufrisch war, erinnerte ich für eine Neujahrsrede den Witz: Sagt eine Blondine zur anderen: „Du, dies Jahr fällt Weihnachten auf einen Freitag.“ Darauf die andere: „Hoffentlich nicht auf einen 13.!“

Den Witz würde man heute in politisch überkorrekten Zeiten rassistisch nennen, aber er trifft eigentlich neben der Dummheit auch den Aberglauben, also eine andere Form von Dummheit. 13 ist eine Unglückszahl, bei der Lufthansa gibt es keine 13. Reihe, in einigen Hotels gibt es kein Zimmer Nr. 13, und in Amerika in vielen Hochhaushotels kein 13. Stockwerk.

Der Aberglaube geht auf das letzte Abendmahl zurück, wo sich aus der Ansammlung der zwölf Jünger um ihren Herrn Jesus die Zahl 13 ergab: „Einer wird mich verraten.“ Und Freitag ist ein Unglückstag, weil Christus an einem Freitag ans Kreuz geschlagen wurde. Also Freitag, der 13., doppeltes Unglück.

Ob ein anderer Aberglaube, der aus einem Kartenspiel kommt, dem früher beliebten und äußerst politisch unkorrekten Schwarzen Peter, rassistisch ist, weil Kinder dem Verlierer fröhlich Schuhcreme ins Gesicht schmierten, wage ich zu bezweifeln. Es hängt eher mit dem Schornsteinfeger zusammen, der für Glück und Unglück steht.

Jetzt hat Lanz bei „Wetten, dass ..?“ einen Shitstorm entfacht, weil er bei der Saalwette Zuschauer aufforderte, sich als Jim Knopf schwarz im Gesicht zu bemalen. Mir fiel dazu ein Witz aus den 50ern in Amerika ein, damals ein Land der Rassentrennung, wo man getrennt im Bus fahren sollte.

Ein Vertreter sucht bei einer Messe in New York ein Hotel in kalter, regnerischer Nacht und findet keins. Als letzte Zuflucht bietet ihm ein Portier ein Doppelzimmer mit einem Schwarzen an, der könne aber unfreundlich reagieren. „Macht nichts“, sagt der Vertreter, „ich male mir das Gesicht mit Schuhcreme schwarz. Wecken Sie mich um 5 Uhr, ich muss den Zug nach Chicago erreichen.“ Um fünf geweckt, eilt er zur Grand Central. Der Schaffner sieht ihn, sagt: „Sorry, in diesem Wagen keine Schwarzen.“ Denkt der Mann: „Macht nichts“, geht schnell auf die Toilette, um sich abzuschminken. Die Farbe geht nicht ab, und er sagt verblüfft in den Spiegel: „Mist, jetzt hat der Portier aus Versehen nicht mich, sondern den Schwarzen geweckt!“

Man sieht, Witze halten die Absurdität von Zeitgeschichte fest.