Unsere Eliten, also Menschen, die uns als „Vorbilder vorausschreiten“ oder als „Leuchtfeuer auf den richtigen Pfad führen“ (so würden wir es in Feiertagsreden formulieren), sind zu guten Teilen in Verruf geraten, will sagen: Es fällt uns schwer, ihnen den Respekt zu zollen, den sie in besseren Tagen in Anspruch nahmen.

Zwei Beispiele aus jüngster Zeit gefällig? Als Titelbild auf dem „Stern“ prangt Uli Hoeneß, allmächtiger Präsident von Bayern München, dem erfolgreichsten deutschen Fußballverein, was sag ich: des zurzeit besten Klubs der Welt, mit bombigen Finanzen, des Triple-Siegers in Meisterschaft, Pokal und Champions League.

Kraftvoller Erfolgsbolzen und ruppiger Geschäftsmann

Und es heißt über diesen kraftvollen Erfolgsbolzen, der ein ruppiger Geschäftsmann zu Bayerns Gunsten, der „Vater“ und „Patron“ seiner Spieler ist und ein sozial engagierter Wohltäter zugleich, dass ihm Gefängnis drohe.

Er soll Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben, die ihm ein inzwischen verstorbener Adidas-Manager generös zum Zocken geliehen und auf ein geheimes Konto überwiesen haben soll. Nun aber hat der „Stern“ angeführt, dass die Selbstanzeige, die Hoeneß rasch startete, nicht aus tätiger Reue, sondern aus purer Not erfolgte. Durch eine „Stern“-Recherche war bekannt geworden, dass ein Spitzenmann der Bundesliga ein geheimes Millionenkonto bei einer Schweizer Bank habe.

Ein Name wurde nicht genannt, aber Teile der Depotnummer. Hoeneß, von seiner Hausbank angerufen, dass der „Stern“ die Sache recherchiere, schickte angeblich sofort Mitarbeiter nach Zürich, um Belege für eine Selbstanzeige zu sammeln.

Auch Rummenigge gilt jetzt als vorbestraft

Zu spät oder nicht zu spät? Das ist hier die Frage. Hoeneß hat öffentlich vor seinen Fans bittere Tränen geweint. Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hielt eine Lobrede auf Hoeneß, den geständigen Steuersünder. Kleiner Schönheitsfehler dieser bußfertigen Aktion mit liebevollem Verzeihen der Fans: Auch Rummenigge gilt seit dieser Woche als vorbestraft.

Er war auf dem Münchner Flughafen bei der Ankunft aus Katar beim Schmuggeln zweier teurer Uhren geschnappt worden. Ergebnis: ein Strafbefehl über 250.000 Euro. Ein Vorbestrafter weint mit dem Angeklagten. Es steht nicht gut um unsere Vorbilder.