In Mark Twains großartigem Ausreißerroman „Huckleberry Finn“ kommt eine Schauspieltruppe vor, die aus Heruntergekommenen besteht, Leuten also, die „bessere Tage gesehen“ haben. Jetzt tingeln sie den Mississippi entlang und hausieren mit den größten Schauspielernamen des Shakespeare-Theaters: Sie verkünden „Neuaufführungen von Shakespeare!!! Wunderbares Glanzstück! Nur einen Abend!“ Vor ausverkauftem Hause zieht einer der beiden Hochstapler den Vorhang hoch, dann hoppelt der andere splitternackt, wie ein Zebra bemalt, über die Bühne, das Publikum tobt. Der Vorhang fällt, und die Darsteller verschwinden auf Nimmerwiedersehen, während die Menge ihnen nacheilt und sie lynchen will.

Auch im „Dschungelcamp“ versprechen sich Künstler, die allesamt bessere Tage gesehen haben, durch absolute Entwürdigungen, inklusive Würmer-Fressen und Schlammschlachten, erstens ein Gnadenbrot und zweitens ein Comeback. Das ist schon traurig und tiefpunktig genug, aber der Auftritt Boris Beckers bei RTL in einer Schlammschlacht mit Oliver Pocher – beide waren mit der ehemaligen Sandy Meyer-Wölden liiert –, schlägt alles. Boris Becker tritt wegen Hüft- und Rückenschwierigkeiten mit seiner Ehefrau gemeinsam zum Duell an. Die reinigt, mit einem Schwamm bekleidet, mit Pocher um die Wette dreckige Autos. Becker trägt eine Narrenkappe, an der zwei Fliegenklatschen baumeln. Wäre es nicht so gruselig, so könnte man von einem König Lear des Tennisgeschäfts sprechen, der tief gesunken ist. Er möchte mit seinen zwei Klappen offensichtlich drei Fliegen schlagen: Millionen verdienen, dem drohenden Vergessen entrinnen und das Buch seiner Ehe- und Liebeserinnerungen verkaufen.

Boris Becker, das „Bobbele“, der rotblonde Jung-Siegfried von Wimbledon! Wie tief kann man fallen? Dagegen ist der Sturz von Lothar Matthäus, der nur seinem Johannestrieb folgt und es nicht um Geld tut, eine elegante Talfahrt.