Deutschstunde

Ich heiße Peter und Sie herzlich willkommen

Was ist das? Eine Einladung? Nein, ein Zeugma! Werfen wir heute einen flüchtigen Blick auf einige Stilfiguren.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Die Polizei hält es für nicht unwahrscheinlich, dass es sich bei den Gesuchten um reisende Täter handelt. So stand es in der Zeitung. Warum schreibt man nicht: Die Polizei hält es für wahrscheinlich? Es ist immer schwierig, die Frage nach dem Warum einer an sich korrekten Formulierung zu beantworten, die man nicht selbst benutzt hat. Da müssten wir den Autor fragen. Er hat sich für die Form der doppelten Verneinung entschieden und sich damit in den Bereich der stilistischen Feinheiten begeben. Wollen wir eine Aussage bejahen, sagen wir etwa: Das Wetter ist schön. Stürmt und regnet es, heißt es: Das Wetter ist schlecht. Wir können die Situation aber auch etwas zurückhaltender ausdrücken, wenn wir den Regenschirm zu Hause lassen dürfen: Das Wetter ist nicht schlecht. Das „nicht“ negiert eine Tatsache, und das Adjektiv „schlecht“ verkehrt sie noch einmal ins Negative. Eine doppelte Negation führt jedoch zu einer Umkehrung ins Positive, wodurch die Aussage entweder eingeschränkt oder verstärkt wird. Sie kennen das aus dem Mathematik-Unterricht: Minus mal minus ergibt plus.

Verlassen wir heute einmal den Bereich der Grammatik und begeben uns in das weite Gebiet der Stilistik, in die Lehre von der Gestaltung des sprachlichen Ausdrucks. Auch in der Stilistik gibt es Regeln, damit unsere Muttersprache nicht allzu sehr vergewaltigt wird. Entscheidender ist aber das Sprachgefühl, das bei jedem anders ausgeprägt sein wird.

Allerdings galten in der Antike für die Poetik, die Dichtkunst, und erst recht für die Rhetorik, die Redekunst, strenge Vorgaben. Nahezu jede Wendung und Formulierung hatte ihre bestimmte Stilfigur, an die sich die Redner strikt zu halten hatten. Es muss sich recht schematisch angehört haben, Demosthenes oder Cicero zu folgen. Solche Vorgaben hat man später abgeschafft, sonst hätte ein staatenloser Gefreiter mit seinem Gebrüll nicht die ganze Welt in Schutt und Asche reden können.

Die Rhetoriker bezeichnen die Stilfigur der doppelten Verneinung als eine Litotes („Er ist nicht der schlechteste Lehrer“). Das Einsparen von Redeteilen nennt man hingegen eine Ellipse (griech. Mangel): Er hat den Vertrag unterschrieben und [er hat] das Geld sofort überwiesen. Ergibt eine Ellipse eine unpassende oder ungewollt komische Verbindung, sprechen wir von einem Zeugma: Ich heiße Peter und Sie herzlich willkommen – oder: Nicht nur meine Mutter, auch der Ofen war ausgegangen.

Die Metapher benutzt ein analoges Bild aus einem anderen Bereich: das Rad der Zeit. Passen die Bilder nicht zusammen, handelt es sich um eine Katachrese: Das schlägt dem Fass die Krone ins Gesicht. Die Zusammenstellung zweier sich widersprechender Begriffe ist ein Oxymoron: bittersüß; Eile mit Weile. Als Contradictio in Adjecto wird eine Sonderform des Oxymorons bezeichnet, bei der sich die Bedeutung eines Substantivs und des hinzugefügten Adjektivs widersprechen: der arme Millionär. Der Chiasmus (das Überkreuzstellen) benutzt die syntaktische Stellung von kreuzweise aufeinander bezogenen Wörtern oder Redeteilen: Groß war der Einsatz, der Gewinn war klein.

In unser Gemüt schleicht sich die Synästhesie, die Vermischung verschiedener Sinneseindrücke, sodass man beim Lesen gleichzeitig zu hören, zu sehen, zu fühlen und scheinbar auch zu riechen meint: Holdes Bitten, mild Verlangen,/ Wie es süß zum Herzen spricht!/ Durch die Nacht, die mich umfangen,/ Blickt zu mir der Töne Licht.

Stilfiguren gibt es wie „Sand am Meer“. Mancher mag das für eine Übertreibung halten, womit wir beim nächsten Stilmittel wären, bei der Hyperbel (Übertreibung des Ausdrucks): himmelhoch, zuckersüß. Eine Klimax ist der Übergang vom schwächeren zum stärkeren Ausdruck, vom weniger Wichtigen zum Wichtigeren: Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich der Königin ihr Kind (Rumpelstilzchen).

Peter Schmachthagen erreichen Sie unter: deutschstunde@t-online.de

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