Arnos Woche

Alle halbe Jahre wieder - vor oder zurück?

Welchen Sinn hat das Vor- und Zurückstellen des Uhrzeigers? Arno Müller über die Umstellung von der Sommer- zur Winterzeit.

Nachweislich tut uns Licht gut. Wir sind wacher, haben mehr Energie, unsere Haut sieht besser aus, je mehr Tageslicht sie bekommt. Alles ist im Hellen schöner. Genauso nachgewiesen ist es, dass wir Menschen große Anpassungsschwierigkeiten an die Winter- beziehungsweise Sommerzeit haben und die Umstellung sogar das Herzinfarktrisiko erhöht. Laut Deutscher Angestellten Krankenkasse werden im Frühling 25 Prozent mehr Patienten mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert als sonst. Nicht lustig, finde ich, und merken kann es sich eh keiner, wann die Uhr nun vor- oder zurückgestellt wird.

Trotzdem: Ende dieser Woche ist die Sommerzeit vorbei – diese schöne Zeit, in der wir aufstehen, wenn die Sonne scheint und abends lange draußen in den Cafés und Bars sitzen können, weil es immer noch hell ist. Und alle halbe Jahre frage ich mich, warum wir das per Gesetz immer wieder aufgeben müssen. Früher wurde uns vorgegaukelt, dass durch die Zeitumstellung Energie gespart werden würde. Inzwischen ist aber seit Jahren durch die Wissenschaft bekannt, dass das blanker Unsinn ist.

Auch die Bundesregierung hat schon im Jahr 2005 erklärt, dass dies „Nonsens“ sei. „Im Hinblick auf den Energieverbrauch bietet die Sommerzeit keine Vorteile“, steht dort. Die Einsparung an Strom für Beleuchtung werde, „insbesondere bei vermehrtem Einsatz effizienter Beleuchtungssysteme, durch den Mehrverbrauch an Heizenergie durch Vorverlegung der Hauptheizzeit überkompensiert“. Welchen Sinn hat dann also das Vor- und Zurückstellen des Uhrzeigers? Auf diese Frage hat der Zeitforscher Karlheinz Geißler klipp und klar geantwortet: „Ich weiß nicht, wer einen Nutzen von der Sommerzeit hat.“

Die Russen sind schon vor drei Jahren ausgestiegen. Da wird nichts mehr umgestellt, die Zeit bleibt wie sie ist. In Deutschland gestaltet sich das schwieriger, weil für uns die Zeit seit 1994 von der Europäischen Union geregelt wird. Trotz aller Bürgerinitiativen und Einwände unserer eigenen Politiker werden wir also noch eine Weile damit leben müssen, die Mühlen der EU mahlen bekanntlich langsam. Bleibt uns erst mal nur, eine gute Eselsbrücke zu haben, mit der man sich wenigstens merken kann, in welche Richtung wir den Uhrzeiger am Sonntag drehen müssen.

Bei mir funktioniert am besten die „Spring“-Zeit aus dem Englischen: Spring forward, fall back. Vorwärts springen, zurück fallen. Das heißt, wir stellen jetzt zurück, wie die Cafés es im Herbst tun, die Stühle und Tische werden wieder zurück gestellt. Und es gibt noch einen kleinen Trost: Laut Umfrage fällt den meisten von uns die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit leichter als umgekehrt.

Arno Müller ist Programmdirektor von 104.6 RTL und Moderator von „Arno und die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von 5 bis 10 Uhr)